Holzelfingen · St. Blasius

Am 14. November 1909 wurde die (neue) Holzelfinger St. Blasius-Kirche eingeweiht. Vom Vorgängerbau blieben Turm und Chor erhalten. Neu und größer gebaut wurde das Schiff. Um-/Neubau von dem damals erst 24jährigen Stuttgarter Architekten Martin Elsaesser. Die künstlerische Ausgestaltung wurde auf Elsaessers Betreiben Käte Härlin übertragen
Zur Vorgeschichte, Entstehung, Resonanz etc. siehe unten. Anläßlich der Kirchweihfeier 1929 wurde im Heimatboten für Holzelfingen die Geschichte der Kirche ausführlich dargestellt.

Porträt Martin Elsaesser von Käte Schaller-Härlin. Details siehe Stuttgart Gaisburger Kirche.

An der Ausgestaltung der Kirche waren die Malerin Käte Härlin und der Bildhauer Jakob Brüllmann beteiligt. Bei der Instandsetzung der Kriegsschäden nach 1945 kommt Wolf-Dieter Kohler (neue Fenster) hinzu.

Über die Entstehung / Geschichte der Kirche findet man viele Details in dem schön gestalteten Kirchenführer "100 Jahre Neubau der St. Blasius-Kirche in Holzelfingen (1909 - 2009)", Texte von Werner Reiff, Dietrich Munz und Konrad Eckert.
Verwiesen sei auch auf das MS "Aus der Geschichte der Holzelfinger Kirche" (pdf zum Download)
Aus beiden Schriften wird nachfolgend mehrfach zitiert.

Ausführliche Quellenangaben / Informationen zu Martin Elsaesser und Käte Schaller-Härlin auf der Darstellung der Gaisburger Kirche.

Danksagung

Bei der Erstellung dieser Kirchen-Präsentation haben mir wieder viele Menschen geholfen. Insbesondere möchte ich herzlich danken:

Pfr. Ulrich Zimmermann, der alle Transkriptionen aus historischen Quellen - in unterschiedlichsten Handschriften in Deutscher Kurrent(schrift) verfasst - korrigiert und ergänzt hat. Ferner mir viele Hinweise zum Kirchenbau und seiner Ausstattung gegeben hat.

Frau Dr. Anette Pelizaeus und Frau Gudrun Dengel vom Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart-Möhringen, die mir bei der Recherche der Pfarramtsakten geholfen und bereitwillig immer neue Konvolute aus dem Archiv geholt haben,

Frau Dr. Anja Schmidt vom Architekturmuseum der TU München - Nachlass Martin Elsaesser, wo ich Fotos aus den frühen Jahren einsehen konnte,

Clemens Geiler und Verena Höser, die mir bei der Suche nach einer Kunstbeilage behilflich waren

Dr. Jörg Schilling, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Martin Elsaesser-Stiftung mit Hinweisen und Fotos der Apostelbilder (Härlin) in der Zeitschrift "Die Bauwelt"

Pfarrer Sebastian Schmauder von der Evang. Kirchgemeinde Holzelfingen / Ohnastetten, mit Katja Brändle und Monika Schwanzer.

Nicht zu vergessen: Pfr. i.R. Klaus Pantle (Gaisburger Kirche), der in den ersten Jahres unseres Jahrhunderts alles gesammelt hat, was mit Elsaesser-Kirchen, Kirchenkunst von Käte Schaller-Härlin zu tun hatte - Unterlagen, die mir bereitwillig sein Nachfolger, Pfr. Wolfgang Marquardt z.V. gestellt hat.

Inhalt

Hinweise, Übersicht etc.

Das obige Inhaltsverzeichnis zeigt die Hauptseite und verweist am Ende unter "8 Historische Dokumente" auf 5 Unterseiten, in denen thematisch zusammengefasst sind:

8.1 · Baupläne & Dokumente 1902 - 1907

8.2 · Baupläne & Dokumente 1908 - 1911

8.3 · Historische Drucksachen
Auszüge aus
---- Beschreibung des Oberamts Reutlingen (1824 & 1893) - Holzelfingen St. Blasius
---- Der Baumeister (1910)
---- Christliches Kunstblatt 1911
---- Die Bauwelt 1914 / Kunstbeilage

8.4 · Chorfenster

8.5 · Dokumente & Fotos ab 1929

Ich hoffe, dass mit dieser Struktur ein leichtes Navigieren durch den umfangreichen Inhalt möglich ist.

Diese Dokumente (außer 8.3) sind fast alle dem Pfarrarchiv der Kirchgemeinde Holzelfingen entnommen, das heute im Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart aufbewahrt wird und dort eingesehen werden kann. Link s.u.

In der "Beschreibung des Oberamts Reutlingen" aus dem Jahr 1893 - der dies Bild entnommen ist - liest man bei "16. Holzelfingen":

"Das Dorf liegt am Nordrand des Gebirgs, am weitesten nach Norden vorgeschoben von allen Orten der Reutlinger Alb, 11,7 km südöstlich von Reutlingen, 700m über dem Meer. ... Aeußerst malerisch ist die Lage der Kirche auf steilem Felsen ganz am Rande des Gebirgs. Wer das alte Sträßchen aus dem Zellerthal herkommt und zwischen steilen Waldhängen und hochragenden Felsen, darunter links dem Greifenstein in wildschöner Lage, bergan steigt, erblickt plötzlich das Kirchlein, das wir in den Wolken schwebend von den Felsen durch den Wald herabsieht." ...

Links

Die Kirche wird beschrieben auf:

Website der Kirchengemeinde & Kultur machen (Kurzbeschreibung, 8 Bilder)

Wikipedia & Kirchbau.de

Fotos bei Bildindex der Kunst und Architektur:
Bauten von Martin Elsaesser / Kirche St. Blasius

Den Inhalt de Pfarrarchivs Holzelfingen kann man bei
Württembergische Kirchengeschichte online durchsuchen.

1.1 · Außen

1.2 · Turm & Glocken

Informationen zu den Glocken

In der Broschüre zum 100-Jahr-Jubiläum wird ausführlich über die Glocken berichtet. Glockengießerei Kurz in Stuttgart. Die "Betglocke" aus dem Jahr 1919/20 steht seit 1953 im Schiff unter der Orgelempore in einer Nische. Inschrift: "Wachet und betet - Holzelfingen 1920"

Glocke

Name

Inschrift

Links

Dank- und Anbetungsglocke

Ehre sei Gott in der Höhe · und Friede auf Erden · und den Menschen ein Wohlgefallen | Für das Kriegsopfer 1917 Neugegossen 1923

Mitte

Evangeliumsglocke

Christ ist erstanden (Glockenzier von Helmuth Uhrig)

Rechts

Bittglocke

Aus Kriegs- und Friedensnot errett uns, lieber Gott

1.3 · Friedhof - Aussegnungshalle & Gefallenendenkmal

2.1 - Innen Grundrisse 1908

    • Erdgeschoß

    • Empore

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Anders als in den beiden obigen Grundrissen Elsaessers von 1908 wurde die Orgel nicht im Chor der Kirche aufgestellt. Daher entfielen die auf der Orgelempore eingezeichneten Sitzplätze.
Später wurde der Taufstein aus der Mitte (vor dem Altar) nach Norden verschoben.

2.2 · Innen Übersicht

2.01 - 2.10: Blick zum / in den Chor
2.11 - 2.13: Blick nach Westen
2.14 + 2.15: Blick von der Westempore zum Chor / von der Nordempore zur Orgel

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3.1 · Kruzifixus

Vermutlich aus der Werkstatt Albrecht Dürers, Anfang 16. Jahrhundert. Zuletzt restauriert 2008 (Barbara Springmann, Stuttgart)

3.2a · Altar

3.31: Gesamtsicht
3.16 - 3.18:Jakob Brüllmann, Relief an rechter Altarwand
3.19 - 3.21: Jakob Brüllmann, Relief an linker Altarwand
- könnten lt. Ulrich Zimmermann "Alter" und "Jugend" symbolisieren
3.22: Brüllmann Honorar-Quittung vom 10.12.1909
3.32 - 3.38: Altarkreuz (Martin Elsaesser / Käte Härlin ?) - s.u.
3.11 - 3.15: Altar & Teppich (3.13-15) von Maria Elisabeth Haist (Malerin) und Susanna Taras (Knüpfkünstlerin) - farblich abgestimmt auf die Kirchenfenster – im Jahr 2015 dank einer Stiftung entstanden.

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3.2b · Altarkreuz

Vergleicht man das Altarkeuz Holzelfingen (links) mit dem ursprünglichen Fenster in der Gaisburger Kirche (rechts), so liegt die Vermutung nahe, Käte Härlin habe das Altarkreuz gestaltet. Hinweise / Zeugnisse dafür gibt es nicht und in einem Bericht über "Die Ausstellung kirchlicher Kunst Schwabens" in Stuttgart im Jahr 1911 wird Martin Elsaesser als Urheber benannt:
"Unter den Architekten hatte sich außer P. Schmohl nur M. Elsäßer entschlossen, aus in letzter Zeit erbauten Kirchen kunstgewerbliche Ausstattungsstücke zur Ausstellung zu geben. Neben dem schon erwähnten Kronleuchter aus Schwenningen einen solchen aus Holzelfingen (Vestibühl), ... ein schmiedeeisernes Kreuz aus Holzelfingen, sowie weitere Ausstellungsstücke, insbesondere aus Schwenningen (Pauluskirche) ... in Photographie."
Quelle: Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus - Jg 1911, Heft 11/12

3.3 · Taufstein, Kanzel u.a.

3.41 & 3.42: Taufstein
3.43 & 3.44: Kanzel
3.45: Chorstuhl

3.4 · Die Greifensteiner Grabplatte

Merkwürdigerweise ist im Totenregister nur der Tod der siebenjährigen Juditha Veronica am 6. Dez. 1716 eingetragen mit der Angabe, dass sie an den „leidigen Durschlechten (Pocken), die damals allenthalben grassiert“, gestorben sei. Weiter ist hinzugefügt, dass zu ihrer letzten Ehre an ihrem Namenstag Veronica, 4. Febr. 1717, das schöne Epitaphium (= Grabschrift oder Grabstein) in der Kirche aufgehängt worden sei.
Die beiden anderen auf dem Grabstein erwähnten Töchter Margareta und Regina sind am 24. August 1712 und 15. März 1717 geboren. Sie müssen zwischen dem 6. Dez.1716 und 6. Sept. 1717 gestorben sein. Im Totenregister ist zwischen 21. März 1717 und 9. Aug. 1719 kein Eintrag, dagegen Raum gelassen, wie zum nachträglichen Eintrag noch nicht aufgeschriebener Todesfälle. Das im Totenregister erwähnte Epitaphium kann nicht die Grabplatte sein. Denn das Epitaphium ist am 4. Febr. 1717 „in der Kirche aufgehängt“ worden. An diesem Tag war die auf der Grabplatte genannte Anna Regina noch gar nicht geboren.
Das Epitaphium wird vielmehr eine Schrift gewesen sein, die dann wieder weggenommen wurde, als Ende 1717 das steinerne Denkmal für die 3 Töchter aufgerichtet war.

Quelle: "Aus der Geschichte der Holzelfinger Kirche" (2020)

An der Rüstkammer* (jetzt an der Nordseite im Kirchenschiff) war die Greifensteiner Grabplatte angebracht. Der aufmerksame Betrachter kann zwei Inschriften erkennen. Die eine, die Umschrift, in gotischer Schrift, also deutsch; die andere lateinisch.
Die gotische Umschrift lautet:
Anno dom. M.C.C.C.C.LXXXXIIII. jar (= im Jahre des Herrn 1494) starb. tilgen. gocsin. von. Holzelfingen. der. got. gnedig. sin. Well.
Man nimmt an, dass der Name tilgen (= Ottilie) gocsin der Name der letzten Greifensteinerin sei, die im Chor der Kirche, der alten Grabstätte der Greifensteiner, beigesetzt worden sei; vielleicht einer Tochter der Burckhardt von Gochzen, Vogt und Forstmeister des Klosters Zwiefalten. Im Jahr 1717 sodann ist diese Grabplatte zum Grabdenkmal für seine Töchter von Pfarrer Sehner benützt worden. Das sagt die lateinische Inschrift, die ausgeschrieben und übersetzt lautet:
In Nomine Jesu (= im Namen Jesu) Amatissimis fibiabus suis hic sepultis (= seinen innig geliebten, hier begrabenen Töchtern) Juditae Veronicae. Mariae Margaretae. Annae Reginae (= Judita Veronica. Maria Margareta. Anna Regina) variolis dysenteriis IX mensium spatio extinctis (= welche an verschiedenen Darmerkrankungen (Ruhr) innerhalb 9 Monaten gestorben sind) signum hoc doloris sculpsit ipsa patris Sehneri manus (hat dieses Trauerdenkmal eigenhändig gemeißelt der Vater Sehner). M.DCC.XVII (= 1717)
* Sakristei

3.46

Foto 2022

Foto vor 1945

4.0 · Käte Härlin: Wand- & Brüstungsbilder

Im Holzelfinger Pfarrarchiv befindet sich u.a. ein Frachtbrief, datiert 07.09.1909, in welchem der Versand einer Kiste (Gewicht 62 kg) notiert ist: abgesandt in Bodelshausen (Pfarrort 1909 des Vaters und vielleicht Ort, wo Härlin die Bilder gemalt hat) "1 Kiste Bilder". (Faks. in 8.2).
Man wird nicht fehlgehen, wenn man als Inhalt einerseits die beiden Wandgemälde (Taufe / Konfirmation) andererseits die 6 Bilder mit den Jüngern Jesu vermutet.

Am 26.05.1909 hatte der Kirchgemeinderat zugestimmt, dass Martin Elsaesser Käte Härlin mit der Anfertigung dieser Bilder beauftragt (Abschrift des Protokolls ==> 8.2). Das Gethsemane-Bild wird in den Protokolllen erst / nur am 15.06.1911 erwähnt.
Bedeutsam in der Beauftragung 26.05.1909 ist die Formulierung (Hervorhebung für Website):
An der Empore sollen wieder die Apostel gemalt werden & am Chorbogen 2 Freskobilder. Taufe & Abendmahl symbolisierend entsprechend der alten Kirche.

Solche "Apostel-Bilder" hatten sich also schon in der alten Kirche befunden, was auch durch ein Protokoll aus dem Jahr 1888 belegt wird:
Am letzten Montag gingen mir die 12 Stck Bilder in 3 Kisten zu, ich nahm dieselben sofort in Arbeit am Dienstag u. werde diese Restaurierung sogleich auch mit tunlichster Schnelligkeit betreiben, damit die Empore nicht zu lange leer ist.
Georg Rochsler, Kunstmaler / Ulm, Glocklerstr. B 75 / Ulm den 4. April 1888

Über den Maler dieser Bilder war in den Akten ab 1888 nichts zu finden. Aus der Mitteilung zur Restaurierung ist abzuleiten, dass auf den 12 Einzelbildern die 12 Apostel bzw. 12 Jünger Jesu dargestellt waren.
Unklar bleibt, ob "Taufe" und Abendmahl"-Bilder ebenfalls schon in der alten Kirche vorhanden waren.

Zu den 3 Fresko-Bildern merkt Ulrich Zimmermann an:
Die genuin protestantische Frömmigkeit seit dem Ende des 19. Jhdts. ist geprägt von dem Gedanken: Was ist Christus für mich/für uns. Dieses Thema durchzieht Käte Härlins religiöse Kunst von Anfang an. Sie ist damit theologisch und frömmigkeitsgeschichtlich über alte Traditionen (Passionsfrömmig-keit) und den Pietismus hinausgewachsen und sehr ansprechend und "modern" in unserer Zeit "angekommen". Beispiele in Holzelfingen:
Taufe: keine klassische Darstellung von Jesu Taufe am Jordan, sondern: Kleinkind-Taufe samt anwesenden Eltern
Abendmahl: keine klassische Darstellung der Mahlgemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern (verbreitetstes nachreformatorisches Sujet auf Altargemälden), sondern erster Abendmahlsempfang eines jungen Menschen bei der Konfirmation
Gethsemane (Auftragsausweitung!): Hier fällt mir in der Darstellung auf, dass wohl kein moralisierend-kritisierend-mahnender Apell an die schlafenden Jünger im Mittelpunkt steht, sondern neben dem unaufgeregten Blick auf diese "in sich ruhende" Gruppe das intensive Gebetsringen Jesu mit Gott das beherrschende Thema zu sein scheint - Ausdruck einer dementsprechend geprägten inneren Verbundenheit der Malerin mit dem Betenden?

4.1 · Wandbild "Gethsemane"

4.01

4.01

4.2 · Wandbild "Taufe"

4.3 · Wandbild "Konfirmation"

4.4a · Brüstungsbilder "12 Apostel" (Übersicht)

    • 1 + 2: Westempore

    • 3 + 4: Nordempore (links)

    • 5 + 6: Nordempore (rechts)

4.4b · Brüstungsbilder "12 Apostel" (Details)

Härlin hat die 12 Apostel in ungewöhnlicher Reihenfolge und Zusammenstellung gemalt:
auf 6 Tafeln, 2 an der West-, 4 an der Nordempore. "Apostelbild, an dem auch die Technik interessierte: dünne Tempera-Lasur auf Holz, dessen Geäder sichtbar bleibt." (zitiert aus Christliches Kunstblatt 1911)
Die beiden Tafeln an der Westempore zeigen jeweils 1 Apostel: Petrus ◊|◊ Judas [Ischarioth].
dann 2 - 3 - 3 - 2: ◊|◊ Jacobus [d.Ä.] + Matthäus ◊|◊ Andreas + Jacobus [d. J.] + Johannes ◊|◊ Thaddaeus + Simon + Bartholomaeus ◊|◊ Thomas + Philippus ◊|◊.
Eine Übersicht der 4 im NT (Mt 10, 2-4 · Mk 3, 16-19 · Lk 6, 13-16 · Apg 1, Vers 13 + 26) aufgeschriebenen Reihenfolgen der Apostel findet man hier.

Unter den 12 dargestellten Personen befindet sich auch Judas Ischariot (Westempore / Bild 2). Nach dem Verrat und Tod wird er in der Überlieferung durch Mathias ersetzt (Apg 1, 26). So ist eher von den "Jünger Jesu" zu sprechen, da zu den Apostel meist auch Paulus zugerechnet wird, wobei Ulrich Zimmermann darauf hinweist, dass "Die künstlerische Tradition auch und gerade im 19. Jh. nicht sauber differenziert hat. 1909 wird die 12er-Schar mit Judas dargestellt. Insofern und wegen der Zuordnung der markanten Köpfe zu existierenden Personen handelt es sich hier um eine Jünger/Nachfolger-Darstellung, nicht um Apostel. Für diese meine Ansicht würde auch das Fehlen klassischer Aposteltribute passen, zumal sie in der Regel auf katholischen Heiligenlegenden basieren und evangelischerseits unerheblich sind. Insofern wäre die tatsächliche Härlin-Ausführung des Auftrags als Jünger / Nachfolger eine bewusste Sujet-Änderung, die wohl auf Grund ihrer familiär-theologischen Bildung zustande kam und einer frömmigkeits- und bekenntnisorientierten Hommage an die dargestellten Personen gleichkommt."

Die Vorbilder für die 12 Jünger/Apostel sind nach Auskunft von Schaller-Härlin aus dem Jahre 1951 folgende Personen:

1

Petrus

Herr Warth aus Untertürkheim

2

Judas

eine Phantasiegestalt

3

Jacobus d. Ä.
Matthäus

Pfarrer Langbein
Pfarrer Emmerich Härlin (der Vater der Künstlerin)

4

Andreas
Jacobus d. J.
Johannes

Architekt Ludwig Eisenlohr
dessen Sohn Werner
Sohn von + Pfarrer Beutter in Rotenburg (wohl Obermedizinalrat Dr. Beutter, Reutlingen, Leiter des Gesundheitsamtes)

5

Taddäus
Simon
Bartholomäus

Bauern aus Bodelshausen (Vater dort 1902 - 1912 Pfarrer)

6

Thomas
Philippus

Bauer aus Bodelshausen
Architekt Martin Elsässer, der Erbauer der Kirche

Emmerich Johannes Friedrich Härlin

05.11.1843 - 04.02.1935 - Vater der Malerin
Indien-Missionar (Basler Mission; bis 1881), Danach Pfarrer in Massenbach, Gruibingen, Uhlbach (bis 1902) und dann Bodelshausen (1902-12)
Großvater: Pfarrer Nathanael Heinrich Härlin (1801-1870) - Heiningen

4.4c · Brüstungsbilder "12 Apostel" - Diashow

 

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5 · Chorfenster von Wolf Dieter Kohler

Aus der Kirchenchronik:
Im II. Weltkrieg wurden durch die Sprengung der Steige in nächster Nähe der Kirche alle Chorfenster zerstört, dabei auch das von einem Glied der Familie Taxis gestiftete Glasbild, das Jesu Taufe durch Johannes darstellte. Der Kirchengemeinderat beschloss sie nacheinander zu erneuern, sobald das Geld dafür vorhanden war. Den Auftrag erhielten Wolf Dieter Kohler und Glasmaler Gaiser aus Stuttgart.

Details hierzu auf der Extraseite "Chorfenster"

5.1 · Chorfenster Mitte

Zuerst entstand das mittlere Chorfenster. (1951) ... Jahre später schuf der Künstler die beiden Fenster rechts und links von der Mitte und zuletzt das vierte auf der Nordseite.
In dieser Reihenfolge werden sie hier vorgestellt:

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Rechte Bildhälfte:
Es zeigt (unten) einen Engel, der den trauernden Frauen (unten links) die Osterbotschaft verkündigt: Ihr suchet Jesus? Er ist auferstanden! Seine rechte Hand deutet aufwärts zum Sieger über Tod und Teufel, der einen Fuß auf den Drachen setzt. Darunter liegt als Gerippe der Tod. Jesus hält mit der Linken die Siegesfahne, ist angetan mit dem Purpurgewand des Triumphators und streckt die Rechte empor. Sein Mund ist geöffnet zum Ruf Victoria! (Paul Gerhard’s Lied: „Auf, auf mein Herz „Vers 2).

Sichtbar sind aber auch noch die Wundmale des Gekreuzigten an Händen und Füßen. Das ernste Gesicht erinnert an die voraus erlittenen Kämpfe und Qualen.

In der linken Bildhälfte sieht man, wie sich der Erzengel Michael (= Christus als Kämpfer) von oben her mit dem Speer auf den Drachen stürzt und seinen aufgesperrten Rachen durchbohrt (Offenbarung 12).

 

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5.2 · Chorfenster links der Mitte (NO - Altes Testament)

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Das Fenster links von der Mitte (1952/53) zeigt Geschichten des alten Bundes und zwar von unten nach oben:

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1. Reihe Adam und Eva im Garten Eden (1. Mose 2). Daneben die Austreibung nach dem Sündenfall (1. Mose 3).

2. Reihe Noah in der Arche empfängt die Friedenstaube (1. Mose 8,11) - Turmbau zu Babel und Ratlosigkeit zweier Bauleute (1. Mose 11).

3. Reihe Lot und seine Töchter fliehen aus Sodom; seine Frau sieht zurück und erstarrt (1. Mose 19,15). - Muss Isaak geopfert werden? (1. Mose 22).

4. Reihe Jakobs Kampf am Jabbok (1. Mose 32). - Mose mit den Gebotstafeln, auf die sein Finger zeigt: Das ist der Weg des Lebens! (2. Mose 20).

5. Reihe David harft vor Saul (1. Samuel 16,23). - Nathan zu David: Du bist der Mann! (2. Samuel 12,7).

6. Reihe Elia und die Raben am Bach Krith (1. Könige 17,6). - Esra’s Dankopfer nach der Heimkehr aus Babel (Esra 3,3).

Darüber: Die Davidskrone und der Stern aus Jakob als Messiasverheißungen. Daneben: Engel mit Spruchbändern: Danket dem Herrn! Preiset seinen Namen!

 

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5.3 · Chorfenster rechts der Mitte (SO - Neues Testament)

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Das Fenster rechts der Mitte (1952/53) zeigt Geschichten des neuen Bundes von unten nach oben:

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1. Reihe Die Geburt Jesu (Lukas 2) - Daneben die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes (Matth. 3, 9).

2. Reihe Sturm auf dem See Genezareth. Jesus schläft… (Markus 6).

3. Reihe Der barmherzige Samariter (Lukas 10). - Heimkehr des verlorenen Sohnes (Lukas 15).

4. Reihe Jesu Gebetskampf in Gethsemane. Der Engel stärkt ihn (Markus 14). - Judas küsst seinen Herrn.

5. Reihe Jesus vor Pilatus: Sehet welch ein Mensch! (Markus 15). - Jesu Kreuzigung: Dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen!

6. Reihe Thomas legt seine Hand in Jesu Seite (Johannes 20). - Pfingsten: Geistausgießung. Der Jünger Halleluja (Apg. 2).

Darüber: Der Herr der Herrlichkeit sendet den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Daneben: Engel mit Spruchbändern: Singet dem Herrn! Lobet seinen Namen!

 

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5.4 · Nordfenster (Offenbarung)

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Das Nordfenster (1959) zeigt Bilder aus der letzten Schrift der Bibel, genannt Offenbarung des Herrn an seinen Jünger Johannes.

Von unten nach oben:

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1. Reihe Der Apostel Johannes vor dem siebenarmigen Leuchter mit seinen Flammen schaut, was ihm gezeigt werden soll (Offb. 1). - Daneben das Lamm auf dem Buch mit den sieben Sigeln stehend (Offb. 5)

2. Reihe Der Engel mit dem Weihrauchfass (Offb. 8). - Der Engel gibt dem Apostel das bittersüße Buch (Offb. 10).

3. Reihe Der Engel wirft den großen Stein ins Meer zur Strafe für Babels Schuld (Offb. 18,21). - Fesselung der alten Schlange (Satan) (Offb. 20).

4. Reihe Der Weltrichter auf dem weißen Thron (Offb. 20,11). - Der Lebensbaum im Lebensstrom (Offb. 22,1 ff).

Darüber 4 posaunende Engel (Offb. 8,6 ff).

 

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6 · Chorgewölbe

Die Schlusssteine des spätgotischen Chorgewölbes zeigen vorne (über dem Altar) den Ritter Georg mit einem Speer als Drachentöter, dann den Kirchenheiligen Blasius mit Bischofsmütze, Bischofsstab und Abtstab, dann Maria mit dem Jesuskind, das den Reichsapfel in der rechten Hand hält, endlich den erhöhten Christus mit einem Heiligenschein (Nimbus) über dem Dornenkranz.

Östlich von diesem Schlussstein sind drei Wappenschilde nebeneinander angebracht. Der mittlere zeigt ein Kreuz und an seinem Querbalken hängend Marterwerkzeuge (Geisel und Rutenbündel); ein anderer Schild zeigt den Dornenkranz mit gekreuzten Speeren, deren einem der mit Essig getränkte Schwamm aufgesteckt ist. Der dritte Schild zeigt die Geiselungssäule und drei große Nägel für Jesu Hände und Füsse.

Links vom östlichen Schild ist das herzoglich-württembergische Wappen mit seinen vier Feldern: Reichssturmfahne, Hirschhörner, schwarzgoldene Rauten (Teck) und Fische (Mömpelgard in Burgund) zu sehen. Rechts ist ein Schild mit einem Greifen. Dieser erinnert wahrscheinlich an den Erbauer des Chores, einen Freiherrn von Greifenstein, der unverheiratet und kinderlos starb.

    • Ritter Georg mit einem Speer als Drachentöter
      St. Blasius mit Bischofsmütze, Bischofsstab und Abtstab

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    • St. Blasius mit Bischofsmütze, Bischofsstab und Abtstab
      Dornenkranz mit gekreuzten Speeren, bei einem der mit Essig getränkte Schwamm aufgesteckt
      Der rechte Schild zeigt die Geiselungssäule und drei große Nägel für Jesu Hände und Füsse
      Maria mit dem Jesuskind, das den Reichsapfel in der rechten Hand hält

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    • Maria mit dem Jesuskind, das den Reichsapfel in der rechten Hand hält
      Christus mit einem Heiligenschein (Nimbus) über dem Dornenkranz

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    • Christus mit einem Heiligenschein (Nimbus) über dem Dornenkranz
      Drei Wappenschilde:
      Links: herzoglich-württembergische Wappen mit seinen vier Feldern:
      Reichssturmfahne, Hirschhörner, schwarzgoldene Rauten (Teck) und Fische (Mömpelgard in Burgund)
      Mitte: Kreuz und an seinem Querbalken hängend Marterwerkzeuge (Geisel und Rutenbündel)
      Rechts ist ein Schild mit einem Greifen.

 

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7.1 · Im Schiff, Leuchter, Orgel

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7.2 · Neue Orgel 2002

Aus der Festschrift "100 Jahre":

Neue Orgel 2002

Die im Jahr 1967 überholte und mit einer neuen Stimmung versehene Orgel von 1909 wies folgende gravierende Fehler auf:
Die Ansprache der Pfeifen ist unregelmäßig mit unterschiedlicher Verzögerung, bedingt durch das pneumatische Spielwerk (pneumatische Kegelladenorgel).
Das Klangbild der Orgel ist in sich schlecht. Durch die Umarbeitung der Pfeifen von einem romantischen auf ein barockes Klangbild wurde sie wertlos gemacht.
Verschiedene Register sind nicht verwendbar oder kommen nicht zur Geltung.
Die Orgelbank ist nicht verschiebbar (Höhe und Tiefe), ergonomische Körperhaltung nicht möglich
Windgeräusche sind störend - Pfeifgeräusche treten auf.

Am 23. Mai 1997 befasste sich der Kirchengemeinderat mit der Orgelfrage. Ein beim Orgelsachverständigen, Bezirkskantor Thomas Haller aus Aalen, eingeholtes Gutachten bestätigte die musikalische Wertlosigkeit und den schlechten Zustand der Orgel. Das Denkmalsamt erteilte seine Zustimmung zum Abbau der Orgel unter der Bedingung, dass das Gehäuse (der Prospekt) erhalten bleibt.

Vor einem definitiven Beschluss für eine neue Orgel wurden die Gemeindeglieder am 13.9.98 in einer Gemeindeversammlung gehört. Bei dieser Gemeindeversammlung gab es eine überwältigende Zustimmung für eine neue Orgel. Am 23.10.1998 beschloss der KGR einstimmig den Kauf einer neuen Orgel. Um eine Orgelbaufirma auszuwählen, wurden bei einer Orgelbesichtigungsreise Orgeln von sechs verschiedenen Firmen besichtigt und gehört. Drei Firmen wurden ausgewählt und um eine Angebotsabgabe gebeten. Am 29. Juli 2000 wurde die Firma Richard Rensch in Lauffen a. N. mit dem Bau der neuen Orgel betraut. Im November 2002 begann der Einbau und am 4. Advent wurde sie im Rahmen eines Festgottesdienstes ihrer Bestimmung übergeben.

* * * * *

Disposition siehe Bilder oben.
Die "Modernisierung" der Orgel 1966 gemäß Gutachten Walter Supper ist in den KGR-Protokollen 1966 zu finden. Auf seine Empfehlung wurde damals die Orgel um ca. 2 m nach Süden verschoben und auch dies 2002 rückgängig gemacht.

Hinweis zum Orgelprospekt:
Bild rechts (heute): Die Holz-Gedackt-Pfeifen links und rechts im unteren Teil sind ungewöhnlicherweise heller gehalten. Vielleicht als Reminiszenz, dass sie ursprünglich bemalt (!) waren - äußerst bedauerlich, dass dies bei der neuen Rensch-Orgel nicht berücksichtigt / übernommen wurde., Im Architekturmuseum der TU München befindet sich ein Foto (Signatur: els_m-72-1005) mit Orgelempore / Orgelprospekt.
Auf diesem (links Totale, Mitte Bildausschnitt) ist die Bemalung gut erkennbar. Übernahme mit freundlicher Genehmigung der Martin-Elsaesser-Stiftung. © Architekturmuseum der TUM.

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8 · Historische Dokumente

8.1 · Baupläne & Dokumente 1902 - 1907

8.2 · Baupläne & Dokumente 1908 - 1911

8.3 · Historische Drucksachen
Auszüge aus
---- Beschreibung des Oberamts Reutlingen (1824 & 1893) - Holzelfingen St. Blasius
---- Der Baumeister (1910)
---- Christliches Kunstblatt 1911
---- Die Bauwelt 1914 / Kunstbeilage

8.4 · Chorfenster

8.5 · Dokumente & Fotos ab 1929

9 · Quellen

Die meisten hier aufgezeigten Dokumente befinden sich im Pfarrarchiv (PFA) Holzelfingen, welches im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart (LKAS) aufbewahrt wird und über die WKG-online-Suche erschlossen werden kann. Signaturen:

Protokolle des KGR der Jahre
1873 - 1895: LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-44
1895 - 1909: LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-45
1909 - 1921: LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-46
1922 - 1934: LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-47
1934 - 1966: LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-117

Baupläne und Skizzen zur Renovation der Kirche (1903-1909): LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-162
Summarischer Kostenüberschlag zur Renovation der Kirche (1907): LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-163
Renovation der Kirche (1909): LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-160
Kirchengebäude (1909-1910, 1929, 1940, 1961): LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-152

Heimatbote - Evangelisches Kirchliches Gemeindeblatt für Holzelfingen (1929-1935): LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-431
Gemeindeblatt für Holzelfingen und Ohnastetten (1950-1972): LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-429

Ortsgeschichte (ca. 1770, 1842-1889, 1918-1936): LKAS-PFA-Holzelfingen-Reutlingen-131

Quellen zu 8.3 (Historische Drucksachen) - soweit nicht anders angegeben - sind in der WLB Stuttgart zu finden.

Impressum

Holzelfingen · St. Blasius-Kirche fotografiert am 30.01./08.02./27.02.2022
Auf www.kirchen-online.com veröffentlicht am 10.05.2022 - SDG - 311 Bilder & Dokumente
(c) 2022 Foto-Kunst Andreas Keller

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