Stgt-Uhlbach · Andreaskirche

Aus dem Forstlagerbuch Andreas Kieser (1685) - Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 107/15 Bd 7 Bl. 25 Bild 1 Permalink

Danksagung

Herzlichen Dank möchte ich sagen an Fritz Endemann, sowie den Theologen Reinhard Lambert Auer, Jakob Spaeth und Ulrich Zimmermann, die mich bei vielen Detailfragen sehr freundlich unterstützten.

Textübernahmen / Anmerkungen von sind gekennzeichnet mit:
FE = Fritz Endemann
UZ = Ulrich Zimmermann

Beschreibung der Andreaskirche

Andreaskirche 1905

Andreaskirche 1905

Immer wieder sind die Besucher überrascht und beeindruckt, wenn sie in unsere Andreaskirche eintreten - ein so festlich-prächtiger wie heiter-frommer Kirchenraum empfängt sie. Ihn hat Heinrich Dolmetsch (1846-1908), ein seinerzeit hoch angesehener und viel beschäftigter Kirchenbaumeister in Württemberg, 1895 geschaffen, in dem er die alte Dorfkirche umbaute und neu ausstattete. Hauptsponsor war dabei der Stuttgarter Textilunternehmer Gottlieb Benger (1851-1903), der eine Uhlbacherin geheiratet hatte und nicht weit von der Kirche ein Landhaus in großem Park bauen ließ. An dieses Engagement erinnert in der Kirche der Benger'sche Familienstuhl, ein abgesondertes Gelass neben dem Chor mit drei Sesseln unter einem reich geschnitzten Baldachin – für diese Zeit ein ganz ungewöhnliches Stück. Dolmetsch ersetzte die überkommene Flachdecke des Schiffs durch ein hohes Holzgewölbe mit Bildern der Apostel, der Tugenden und der Tierkreiszeichen im gestirnten Himmel. Diese Bilder stehen für den Kosmos, der von der Figur des gekreuzigten Jesus unter dem hohen Chorbogen (um 1500, einziges Stück aus der alten Kirche), umgeben von Weinreben und Passionsblumen, beherrscht wird. Von diesem Kreuz geht der Weg des Heils über das Relief der Grablegung an der linken Chorwand zum Chorfenster mit der Auferstehung Jesu. Damit hat Dolmetsch eine sowohl theologisch wie gestalterisch bedeutende Lösung gefunden. Bestimmend für die Raumwirkung des Schiffs sind die drei Zonen – Gestühl, Emporen und Decke - , in denen die warmen Holztöne dominieren. Die Emporen zeichnet durch die Wölbung ihrer Brüstungen besondere Eleganz aus.

Es war ein Glücksfall, dass die Uhlbacher Kirche in der Zeit, als man das Werk Dolmetschs gering achtete, keine größeren Eingriffe als das Tünchen der Wände zu erdulden hatte. So war es möglich, mit der Restaurierung von 1988/90 den originalen Dolmetsch-Innenraum wieder zu gewinnen. Von der Kirche vor Dolmetsch ist innen nur das Gewölbe des Chors und der Sakristei zu sehen. Beide könnten noch von der Kapelle stammen, die 1386 genannt wird, denn im Turm über dem Chor hat sich eine Glocke aus dem 14.Jahrhundert erhalten. 1490 wurde die Kapelle zur Pfarrkirche erhoben, so dass die Uhlbacher nicht mehr gezwungen waren, ihre geistliche Versorgung in Cannstatt, Obertürkheim und auch zum Teil in Esslingen aufzusuchen. Seit mehr als 500 Jahren ist die Andreaskirche weithin sichtbar Mittelpunkt des Dorfes und Wahrzeichen seiner Landschaft mit ihren Wein- und Obstgärten. Der Wanderer hat dieses anrührende Bild schon länger vor Augen, bevor er den schönen Kirchenraum betritt.

Quelle: Website der Kirchgemeinde (FE)

Die Dolmetschkirche

übertitelt Pfr. Jakob Spaeth seine Sicht auf die Andreaskirche, publiziert auf stuttgart-evangelisch

Aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums der Uhlbacher Andreaskirche soll hier ihre Geschichte erzählt werden. Federführend für die heutige Gestaltung, die auf das Jahr 1895 zurückgeht, ist der damals in Württemberg für protestantischen Kirchenbau bekannte Architekt Heinrich Dolmetsch.

Vor 125 Jahren wurde die Uhlbacher Kirche grundlegend umgestaltet. Alte Bilder von den Renovierungsarbeiten zeigen abenteuerliche Gerüstkonstruktionen. Von Grund auf und samt neuem Turm wurde die Kirche neu gestaltet. Nach knapp 400 Jahren, in denen die alte Uhlbacher Kirche stand, war eine Renovierung nötig geworden. Davon berichten Dokumente aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zunächst hatten die Uhlbacher für eine aufwendige Renovierung allerdings gar nicht das Geld, obwohl die Uhlbacher Bürger durchaus willig waren, für die Kirchenrenovierung zu spenden.
Erst eine besondere Liebesgeschichte schuf die Voraussetzungen dafür, dass die Renovierung bzw. Neugestaltung der Uhlbacher Kirche möglich wurde: Luise Benger, geboren als Luise Currle und eine Uhlbacherin, hatte durch die Heirat mit Gottlieb Benger in ein großes und erfolgreiches Familienunternehmen eingeheiratet. Die Firma Benger(-Ribana) war um 1900 einer der größten Arbeitgeber in Stuttgart. Die Bengers betrieben rund 700 Webstühle und verkauften entsprechend viel Unterwäsche und andere Ware.
Luise und Gottlieb Benger lebten in Stuttgart in einem herrschaftlichen Stadthaus, wohnten aber auch in Uhlbach in der neu gebauten „Benger-Villa“, wenn sie nicht im Stadthaus in Stuttgart sein wollten. Als Uhlbacher Bürger beteiligten sich die Bengers mit großzügigen Spenden am Dorfleben.
Eine besonders große Spende war für die Renovierung der Andreaskirche bestimmt. Nun hatte aber Gottlieb Benger die Spende mit der Forderung verbunden, dass Heinrich Dolmetsch die Renovierungsarbeiten übernehmen solle. Heinrich Dolmetsch war damals einer der bedeutendsten württembergischen Architekten. In Reutlingen war Dolmetsch beispielsweise für den Bau der Katharinenkirche zuständig gewesen. Und nun also die Uhlbacher Dorfkirche…
Die Uhlbacher spendeten viel Geld für den Umbau ihrer Kirche und gemeinsam mit dem von Benger gespendeten Geld konnte der aufwendige Bau umgesetzt werden. So übernahm also der königliche Baumeister Dolmetsch die Renovierung der Uhlbacher Kirche.
Heinrich Dolmetsch hat im Lauf seines Lebens als Architekt in unterschiedlichen Stilen gebaut. Der Stil der Uhlbacher Kirche ist gotisierender Historismus, d. h. Dolmetsch griff Elemente der Gotik auf, aber arrangierte sie neu. Dabei ist das Arrangement der Uhlbacher Andreaskirche besonders gelungen und bis heute ist die Uhlbacher Kirche eine der besonders eindrucksvollen Dolmetsch-Bauten.

Heinrich Dolmetsch

über sein immenses Kirchbau-Schaffen kann man vor allem in zwei Büchern erfahren, beide von Ellen Pietrus verfasst:

Die Kirchenneubauten von Heinrich Dolmetsch. Ein Architekt im Königreich Württemberg. in: Reutlinger Geschichtsblätter Jahrgang 2001 · Neue Folge Nr. 40, S. 125 - 228

Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Bau-meisters. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege, Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 2008. Hierin an vielen Stellen Andreaskirche, Uhlbach (insbes. S. 143ff,339ff)

zuvor erschien ein Artikel "Kirchenausstattungen von Heinrich Dolmetsch. Vom Umgang mit Raumfassungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts", der heute vom Server der Uni Heidelberg runtergeladen werden kann.

Dolmetsch auf Wikipedia

umfangreiche Biographie, Werkverzeichnis etc. auf Google-Info,

sehr gute Darstellung Dolmetsch auf archINFORM sowie Projekt-Kurzbeschreibung

Eintrag in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Ein großer Teil des Dolmetsch-Nachlasses befindet sich in der TU München, Architekturmuseum. Zu Uhlbach aber leider nur 2 Einträge/Bilder: siehe rechts.

Gottlieb Benger · Firma & Familie

Ohne seine großzügige Spende (10.000 Mark !) wäre die Neugestaltung der Andreaskirche durch Dolmetsch und Ausschmückung durch Bauerle nicht zustande gekommen. Marianne Wachter (Expertin für Ortsgeschichte in Uhlbach) führt dazu aus:
„Die Bengers produzierten zwar Unterwäsche, der große wirtschaftliche Aufschwung erlangte die Firma W. Benger Söhne aber nicht zuletzt durch Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Gustav Jäger und mit der Her-stellung reinwollener Kleidung nach "Dr. Jaegers Normal Woll System“ mit der sie bald Weltruf erlangte und sich auch auf der Weltaus-stellung 1900 in Paris präsentierte.- Alleinvertrieb durch W.Benger Söhne. - Benger Ribana kam später.
Frau Dr. Luise Thilenius (Tochter der Bengers) schreibt in einem Aufsatz: „Die Familie lebte in der Stadtvilla Mörikestrasse, jedes Jahr zu Ostern erfolgte der Umzug nach Uhlbach in die 1889 erbaute „Villa Luisenheim“, nach der Weinlese ging es zurück nach Stuttgart. Beide Haushalte waren komplett eingerichtet, so dass nur der persönliche Bedarf mit umziehen musste.“
Benger auf Wikipedia, Bürgerverein Obertürkheim-Uhlbach,in Deutsche Biographie,

Theodor Bauerle

Selbstbildnis (ca. 1908-10)

Selbstbildnis (ca. 1908-10)

Bild freundlicherweise z.V. gestellt von Ulrich Zimmermann

Die figürliche Malerei an der Holzdecke des Schiffs und am Kreuz-gewölbe des Chors sowie am Baldachin des Benger'schen Familien-stuhls stammt von dem Stuttgarter Kirchenmaler Theodor Bauerle (1865-1914). Diesen hat Dolmetsch öfter für seine Kirchenräume herangezogen (FE).

2014 widmete Ulrich Zimmermann ihm einen größeren Artikel - pdf hier zum Download.

Zimmermann findet die Zuordnung zu den "Nazarenern" nicht richtig, sondern hält den Einfluß des Vaters Karl Wilhelm Bauerle und von Jakob Grünenwald (Lehrer an der Stuttgarter Akademie) für ausschlag-gebend und ordnet die Gestaltungsweise / den Kunststil dem Natura-lismus zu. Dazu Wikipedia - "durchaus in einer Gratwanderung zwischen (weniger) Realismus und (mehr) Idealismus, natürlich mit Ausnahme der Arbeiten, die per Auftraggeber im "gothischen Styl" oder (seltener) im Jugendstil erbeten waren."

* * * * *

Erstaunlich, dass diesem kongenialen Partner Heinrich Dolmetschs bislang so wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde, so dass er bei Wikipedia nur im Artikel über seinen Vater in einem Nebensatz auftaucht und es kein Bild von ihm im Internet gibt...

Kurz nach Vollendung der Neugestaltung 1895 wurde sie im "Christ-lichen Kunstblatt" (Herausgeber: Prälat Heinrich Merz) ausführlich dargestellt und gewürdigt
"Die Erneuerung der Kirche zu Uhlbach".

Scan aus den beiden Heften 4 + 5 des Jahrgangs 1896 hier zum Download - Auszüge daraus im Text mit "ChrKbl" gekennzeichnet

weitere Links

Purifizierung im 20. Jahrhundert

Den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts blieb es vorbehalten, in einem neuen Bildersturm, der in seiner Wirkung noch über die Kriegs-zerstörungen hinausging, die Kirchen Dolmetschs und seiner Stilkolle-gen zu „reinigen", sie von Bildern, Inschriften, Symbolen und Ornamen-ten zu befreien, im Namen einer angeblich allein zeitgemäßen Schlicht-heit, der dann in zahlreichen neuen Betonkirchen gehuldigt wurde. Es war die Tragik Dolmetschs, dass dieser Bildersturm vor allem den wertvollsten Teil seines Werkes betraf, die neuen und die umgebauten Kircheninnenräume. Das traurige Ergebnis war, dass von den so zahl-reichen Kirchenräumen Dolmetschs nur ganz wenige ihre Originalfas-sung bewahren oder wiedererlangen konnten.

Auch die Uhlbacher Kirche fiel der Purifizierung anheim. Die Ornamente auf den Wänden von Schiff und Chor und selbst die Prophetenbilder auf dem Chorgewölbe verschwanden unter heller Tünche.

Eine Wende kam erst 1977 mit der Restaurierung der Stuttgarter Mar-kuskirche, deren ursprüngliche Farbigkeit im Wesentlichen wiederher-gestellt wurde. Doch dauerte es noch mehr als ein Jahrzehnt, bis die Uhlbacher Kirche in der umfassenden Restaurierung von 1988-90 ihre originale Raumgestalt von 1895 zurückerhielt. (FE)

Publikationen

2008 erschien ein kleiner, sehr informativer und schön bebilderter Kirchenführer, Texte von Fritz Endemann, Fotos von Fritz Eisele.- in der Kirche erhältlich. Dort auch ein 6-seitiges Faltblatt. Aus dem Führer wird nachfolgend häufig zitiert (Quellenangabe FE).

Anette Pelizaeus hat auf "Württembergische Kirchengeschichte Online" ein umfangreiches Werk publiziert: Christliche Kunst in Südwest-deutschland im 19. und 20. Jahrhundert.
Im Abschnitt 2.1 Kirchen nach dem "Eisenacher Regulativ" beschreibt sie auch die Andreaskirche Uhlbach. Direktlink

zu Dolmetsch: s.o.

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1 · Außen

1.2 · Die Brauttüre - außen

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Das Relief außen über der „Brauttüre" an der Nordseite, die Begegnung Jakobs und Rachels am Brunnen (1. Mose 29) darstellend, hat der Maler Theodor Bauerle entworfen und der Stuttgarter Bildhauer Albert Gäckle in Kalkstein ausgeführt. Mit diesem Bildwerk hat es eine besondere Bewandtnis, an die auf seiner Rückseite erinnert wird. (FE)

1. Mose 29, 1 - 13:
1 Da hob Jakob seine Füße auf und ging in das Land, das gegen Morgen liegt, 2 und sah sich um, und siehe, da war ein Brunnen auf dem Felde, und siehe, drei Herden Schafe lagen dabei; denn von dem Brunnen pflegten sie die Herden zu tränken, und ein großer Stein lag vor dem Loch des Brunnens. 3 Und sie pflegten die Herden alle daselbst zu versammeln und den Stein von dem Brunnenloch zu wälzen und die Schafe zu tränken und taten alsdann den Stein wieder vor das Loch an seine Stätte. 4 Und Jakob sprach zu ihnen: Liebe Brüder, wo seid ihr her? Sie antworteten: Wir sind von Haran.
5 Er sprach zu ihnen: Kennt ihr auch Laban, den Sohn Nahors? Sie antworteten: Wir kennen ihn wohl. 6 Er sprach: Geht es ihm auch wohl? Sie antworteten: Es geht ihm wohl; und siehe, da kommt seine Tochter Rahel mit den Schafen. 7 Er sprach: Es ist noch hoher Tag und ist noch nicht Zeit das Vieh einzutreiben; tränkt doch die Schafe und geht hin und weidet sie. 8 Sie antworteten: Wir können nicht, bis daß alle Herden zusammengebracht werden und wir den Stein von des Brunnens Loch wälzen und also die Schafe tränken. 9 Als er noch mit ihnen redete, kam Rahel mit den Schafen ihres Vaters; denn sie hütete die Schafe.
10 Da aber Jakob sah Rahel, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, trat er hinzu und wälzte den Stein von dem Loch des Brunnens und tränkte die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter. 11 Und er küßte Rahel und weinte laut 12 und sagte ihr an, daß er ihres Vaters Bruder wäre und Rebekkas Sohn. Da lief sie und sagte es ihrem Vater an. 13 Da aber Laban hörte von Jakob, seiner Schwester Sohn, lief er ihm entgegen und herzte und küßte ihn und führte ihn in sein Haus. Da erzählte er dem Laban alle diese Sachen.

1.2 · Die Brauttüre - innen

Auf der Rückseite sind mit dem Datum 9. Dezember 1877 zwei durchschlungene Ringe und der Vers eingraviert:

„Herz und Herz vereint zusammen / Sucht in Gottes Herzen Ruh / Lasset eure Liebesflammen / Lodern auf den Heiland zu." (heute Lied 251 im Gesangbuch, Text von Zinzendorf 1723).

Dazu wird berichtet, Gottlieb Benger habe am 9. Dezember 1877, seinem Verlobungstag, bei der Ankunft in Uhlbach durch das kleine runde Fenster nahe der Tür den Pfarrer bei seiner Predigt diesen Vers aussprechen hören. (FE)

1.3 · Friedhof Zugang von Osten / zum Familiengrab Benger

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2.1 · Grundrisse und Schnitte (1981)

Chor & Schiff

Turm

Emporen

Längsschnitt

2.2 · Innen Übersicht

2.02 - 2.06: Schiff, Blick zum Chor
2.07 - 2.10: Chor
2.11 - 2.14: aus dem Chor nach Westen, zur Orgel

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3.1 · Chor - Der Altar

Der Altar wurde nach Entwurf Dolmetschs von der Bildhauerwerkstatt Erfort und Wüst in Stuttgart geschaffen. Er besteht aus einer Stein-platte, die vorn auf zwei kurzen schwarzen Säulen, hinten auf einem Steinblock aufliegt. Verschiedene Steinarten sind verwendet, um den Eindruck der Kostbarkeit zu vermitteln.

Die Vorderseite des Blocks zeigt das Christus-Monogramm inmitten von Weinreben. Zwei reich verzierte Eisengitter begrenzen seitlich den Platz vor dem Altar. (FE)

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.unten:

3.02: Altarvorderseite mit Christus-Monogramm
3.03: Altar-Rückseite mit Widmung der Stifterin
3.04: Altar-Kruzifix

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3.2 · Das Chorfenster

Das Glasgemälde des östlichen Chorfensters, Christi Himmelfahrt darstellend, ist ein Werk des bekannten Stuttgarter Glasmalers Adolf Valentin Saile aus dem Jahr 1983. Gleichfalls von Saile stammt das westliche Fenster hinter der Orgel, das König David mit der Harfe zeigt (1988).

Beide Glasgemälde ersetzen Darstellungen mit denselben Gegen-ständen, die von der Münchener Werkstatt G. van Treeck geschaffen worden waren und im Krieg zerstört wurden. Die Münchener Werkstatt ist von Dolmetsch oft herangezogen worden, von ihr hat sich z.B. in der Dolmetsch-Kirche von Walddorfhäslach ein Auferstehungsbild im Chor erhalten. (FE)

1896 im christlichen Kunstblatt beschrieben:
Das Hauptchorfenster hinter dem Altare zeigt in reicher Glasmalerei die Auferstehung des Herrn; es ist ausgeführt in der Glasmalereianstalt von Gustav von Treck in München und ist gestiftet von dem verstorbenen Gemeinderat Ernst Wilhelm Kurrle in Uhlbach. Die Umrahmung des Fensters ist in sinniger Weise gebildet durch zwei auf die Nischen-flächen gemalte, mit Granatäpfelzweigen umrankte Palmbäume als Sinnbild des Lebens und der Auferstehung. Grablegung und Auferste-hung des Herrn predigen hier also nach 2 Timoth. 2, 11: Das ist je gewiß-lich wahr, sterben wir mit, so werden wir mitleben. (ChrKbl)

Ulrich Zimmermann kommentiert:
Meiner Einschätzung nach stammte die 1895-Chorfenster- und West-rosetten-Verglasung ebenfalls von Theodor Bauerle (diese Themen waren typische Bauerle-Themen, von denen es erhaltene Beispiele gibt; hier Kriegsschaden 1944/45; Ersatz durch Adolf Valentin Saile 1983 Chor, 1988 Westrosette). Es wird nur die Glasmalereianstalt Gustav van Treeck (siehe auch Wikipedia) in München erwähnt. Das war damals (leider) üblich.

Ulrich Zimmermann zum unteren Fensterteil:

Jesus ist mit Kreuznimbus dargestellt und ohne Nägelmale an Händen/Füßen (also nicht als Christus/Auferstandener). Dies heißt ikonographisch: Darstellung während oder nach der Leidensan-kündigung.

Die 3 synoptischen Evangelien schildern in direkter Abfolge a) das Bekenntnis des Petrus mit Jesu Antwort: "Schlüssel des Himmelreiches" - und b) die Leidensankündigung und c) den Hinweis, dass nur noch wenig Zeit bis dahin vergeht (Mt 16, 13-28; Mk 8, 27 - 9, 1; Lk 18-27).

Die letztgenannte Aussage erscheint mir in der Jesus-Geste der "kleinen Zeitspanne" an der rechten Hand zwischen Daumen und Zeigefinger ausgedrückt.

Da ich um die präzise Bibeltext-Basis aller Glasgemälde von Adolf Valentin Saile weiß, dürfte diese untere Partie des Chorfensters thematisch die erste Leidensankündigung darstellen.

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Das würde theologisch und optisch im Fenster unten als "Basis" zur Darstellung des Kreuzestodes (in der Mandorla über dem Chorbogen), des Auferstehungssieges (Christus zertritt den Kopf der Schlange Offbg. 20, 2) und darüber Gottes und des Hlg Geistes passen.

Für sich genommen ist der Hauptteil des Fensters eine "Gnadenstuhl"- Darstellung (als Darstellung der Trinität), vom klassischen Typos abweichend insofern, als nicht der Gekreuzigte, sondern der Aufer-standene von den ausgebreiteten Armen Gottes gehalten/umfangen und vom Symbol des Geistes (Taube) begleitet wird. Die Kreuzigung wird in kirchenkünstlerischen Gesamtkonzeptionen nie zweimal gezeigt, insofern nimmt Saile auf den Kruzifixus über dem Chorbogen Rücksicht bzw. bezieht ihn in die Gnadenstuhl-Fensterdarstellung ein.

Die vier Personen im unteren Fensterteil: Simon Petrus ist klar mit dem Schlüssel, im Anblick links von ihm sehe ich Andreas, seinen Bruder (kenntlich an den gekreuzten Armen), das junge Gesicht rechts von Petrus schreibe ich am ehesten Johannes zu. Der vierte: ?? Er steht wohl stellvertretend für die weiteren Jünger, keiner außer Petrus wird ja in den Bibelstellen namentlich erwähnt.

3.3 · Das Chorgestühl

Der gegen Osten gelegene Turm bildet wie manchesmal in Schwaben in seinem Erdgeschoß zugleich den Chor. Derselbe hat ein in ansprechenden Formen entworfenes Chorgestühl erhalten, in dessen Füllungen in abschattierter Kerbschnittmanier abwechselnd Weinranken und Ähren mit Spruch-bändern angebracht sind, auf denen die Worte stehen: „Jesus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet und ich in ihm, der bringet viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts thun.“ (ChrKbl)

3.21: Nordwand - 3.22: Ecke - 3.23: Ostwand - 3.24: Ecke - 3.25: Südwand
darunter 11 Einzelbilder - Klick ins Bild startet Diashow

 

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3.4 · Grablegung Jesu

Das andere Reliefbild, die Grablegung Jesu, innen an der nördlichen Chorwand, stammt von dem Stuttgarter Bildhauer Schnabel und wurde von Theodor Bauerle farbig gefasst - eine figurenreiche, bewegte Szene nach Vorbildern aus der italienischen Renaissance. (FE)

3.5 · Vier Propheten - Die Decke im Chor

Die Decke des Chores ist mit Sonne und Sternen, wie auch mit bunten Blumenranken geschmückt, aus welchen vier Medaillons mit Brustbildern von Propheten, je mit Inschrift, herauswachsen; Jesajas: außer mir kein Heiland 43,11. Jeremias: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit 23, 6, Micha: Welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist 5, 1, Maleachi: Siehe, er kommt, spricht der Herr, Zebaoth 3,1 (ChrKbl)

Diese Darstellung der Propheten hat ihr Vorbild in mittelalterlichen Bildern der Vorfahren Jesu in Form eines Stammbaums (Wurzel Jesse, Jesaja 11, Matth. 1), bei dem die Gestalten als Halbfiguren aus den Zweigen herauswachsen. In symbolischer Analogie dazu erscheinen hier die vier Propheten als geistige Vorfahren Jesu, mit ihm verbunden durch die Reben. (FE)

Jesaja 43, 11: Ich, ich bin der HERR, und ist außer mir kein Heiland.
Jeremia 23, 6: Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, daß man ihn nennen wird: Der HERR unsre Gerechtigkeit.
Maleachi 3, 1: Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der HERR, den ihr suchet; der Engel des Bundes, des ihr begehret, siehe, er kommt! spricht der HERR Zebaoth.
Micha 5, 1: Und du Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir kommen, der in Israel HERR sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

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3.50a-d gleiches Bild, jeweils um 90° im Uhrzeigersinn gedreht. Unten: Jesaja - Jeremias - Maleachi - Micha
3.51 - 3.54 Deckensegment einzeln - 3.61 - 3.64 Die Propheten

 

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3.6 · im Chor

3.71: Türe links zur Straße und zum Durchgang Familienstuhl Benger
3.72: Türe zur Sakristei (von dort auch Zugang zur Kanzel)
3.73: Sakramentsnische (?) in der Sakristei
3.74: Pfarrertafel

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4.1 · Schiff - Kruzifix

Die geringe Höhe des eigentlichen Chorraums gegenüber derjenigen des Schiffs der Kirche würde dem Ganzen ein gedrücktes und daher wenig erfreuliches Aussehen verliehen haben. Dies hat der Baumeister vermieden, indem er gegen das Schiff hin den Chorbogen weit über die thatsächliche Höhe des Chores hinaufführte. Die so entstandene Nische vermittelt in glücklichster Weise zwischen Schiff und Chor und ist ein besonders eindrucksvolles Stück des Kircheninnern geworden, indem sich auf ihr die geeignete Fläche darbot, um daraus einen aus dem Mittelalter stammenden wertvollen Kruzifixus anzubringen, der offenbar wegen vorhandener Beschädigungen im vorigen Jahrhundert durch ein kleineres noch vorhandenes aber ganz unkünstle-risches Schnitzbild ersetzt worden ist, und seither seine wenig würdige Stätte unter altem Gerümpel im Dachraum erhalten hat. Baurat Dolmetsch entdeckte seinen künstlerischen Wert. Würdig hängt er nun nach kunstverständiger und pietätvoller Wiederherstellung und Bemalung durch Bildhauer Berner in Stuttgart und Kunstmaler Bauerle an seiner neuen Stätte, der genannten Nische auf dunklem von Passionsblu-men umrankten Felde, umgeben von einer strahlenden Mandorla. Aus dem Kreuz, an dem er hängt, treten Weinranken hervor und um die Nische steht der Spruch: also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (ChrKbl)

Zu dem Kruzifix gehörten ursprünglich drei Medaillons, die um den hohen Chorbogen auf die Wand gemalt waren. Sie stellten das apokalyptische Lamm als Symbol für Christus, die Vertreibung von Adam und Eva aus dem ersten Paradies und das neue Paradies nach der Offenbarung des Johannes dar. Damit sollte das Erlösungswerk Christi, die Befreiung von der Erbsünde, vor Augen geführt werden. Diese Medaillons wurden auf Grund ihrer nur spärlichen Überreste bei der Restaurierung 1988/90 nicht wieder erneuert. Damit ist von dem Bildprogramm Dolmetschs zwar ein wichtiger Teil verloren gegangen, für die Raumwirkung und Dominanz des Kruzifixes ist dies jedoch eher von Vorteil. (FE).

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4.2 · Die Kanzel

Die neue Kanzel setzte Dolmetsch an die Südseite des Chorbogens. Der Kanzelkorb aus Eichenholz steht auf einer steinernen Säule. Er trägt, zwischen Ornamentfeldern mit Rosen, Eichenlaub und Weinranken, die Bilder von Moses, Johannes dem Täufer und Paulus, geschaffen vom Bildhauer Berner aus Stuttgart. Einen Schalldeckel hielt Dolmetsch, Autorität in Sachen Akustik, offenbar nicht für erforderlich; er hätte wohl auch die hochstrebende Wirkung des neuen Chorbogens gestört. (FE).

 

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4.3 · Taufstein

ebenfalls aus der Werkstatt Erfort und Wüst (Stuttgart)

4.4 · Schiff - Details Emporebrüstung, Banklehne etc.

4.5 · Orgel & Westfenster

Ulrich Zimmermann:
Wenn im Christlichen Kunstblatt von WMF-Galvanobronze die Rede ist, handelt es sich um Folgendes ==> Wikipedia
•    Birgit Meißner, Anke Doktor, Galvanoplastik – Geschichte einer Technik aus dem 19. Jahrhundert; in: Bronze- und Galvanoplastik. Geschichte – Materialanalyse – Restau-rierung; hg. Landesämter für Denkmalpflege Sachsen und Sachsen-Anhalt, Arbeitsheft 5, Dresden 2001 (sehr guter Artikel; nun zu finden auf der Website von RDK).
•    Eva Heer, Auf einer Bühne verstaubt. Schau im Kunst-kabinett zeigt Stücke aus den Galvanoplastischen Betrieben; in: Südwestpresse/Neue Württembergische Zeitung, Artikel vom 8. Februar 2014, Göppingen/Ulm 2014
Auch Gipsmodelle der in Uhlbach tätigen  Bildhauer wurden als Galvanoplastiken bei WMF fabriziert und von Th. Bauerle farblich gefasst. Praktisch alle Uhlbacher Bildhauer- und Kerbschnitz-Entwürfe sowie Farbfassungen stammen von Bauerle.

Die Orgel präsentiert sich mit einem von Dolmetsch entworfenen prächtigen, drei-teiligen Prospekt. Der mittlere Teil, der die Figur eines stehenden Engels mit Laute und zwei weitere musizierende Engel in Medaillons zeigt, ist niedriger, damit über ihm das Fenster mit dem Harfe spielenden König David sichtbar ist.
Dass die Uhlbacher Kirche eine auch für Konzerte geeignete Orgel bekam, war Gott-lieb Benger ein besonderes Anliegen und sogar Bedingung für sein Engagement. So wurde das ursprüngliche Orgelwerk, hergestellt von der renommierten Firma Weigle in Echterdingen, mit sechzehn klingenden Registern ausgestattet.
Das im Zuge der Restaurierung 1988-90 erneuerte Orgelwerk (Fa. Link, Giengen / Brenz) hat drei Manuale und achtundzwanzig klingende Register, es erfüllt so nach modernem Standard sicherlich weiterhin die Bedingungen Bengers. (FE)

Das reichgeschnitzte Orgelgehäuse zeigt in der Mitte als Relief eine musizierende Engelsgestalt und drüber zwei kleine Brustbilder von musizierenden Engeln, alles in Geislinger Galvanobronze; die Fialen sind bekrönt von, in den Jubelchor einstimmen-den, singenden Vögeln, während hinter der Orgel, in einem Maßwerkfenster das Brust-bild des Königs David mit der Harfe erscheint. (ChrKbl)

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Bibeltexte zum Westfenster

Psalm 57, 8+10: Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. / HERR, ich will dir danken unter den Völkern; ich will dir lobsingen unter den Leuten.
Psalm 144, 9: Gott, ich will dir ein neues Lied singen, ich will dir spielen auf dem Psalter von zehn Saiten
Psalm 108,2: Gott, es ist mein rechter Ernst; ich will singen und dichten, meine Ehre auch.

Disposition der Orgel

Hauptwerk (I. Manual)

Schwellwerk I (II. Manual)

Schwellwerk II (III. Manual)

Pedal

1. Principal 8'

2. Gedackt 8'

3. Octave 4'

4. Rohrflöte 4'

5. Nasat 2 2/3'

6. Terzflöte 1 3/5'

7. Spitzflöte 2'

8. Mixtur 5-fach 2'

Tremulant

9. Bourdon 16'

10. Gemshorn 8'

11. Hohlflöte 4'

12. Rauschpfeife 3-fach

13. Dulzian 16'

14. Trompete 8'

Tremulant

15. Rohrgedackt 8'

16. Gamba 8'

17. Voix celeste 8'

18. Fugara 4'

19. Traversflöt 4'

20. Octav 2'

21. Spitzquint 1 1/3'

22. Mixtur 4-fach 1 1/3'

23. Hautbois 8'

Tremulant

24. Violonbass 16'

25. Subbass 16'

26. Octavbass 8'

27. Dolkan 4'

28. Posaune 16'

Transmissionen ans
Schwellwerk I:

- Bourdon 16'

- Gemshom 8'

- Hohlflöte 4'

- Rauschpfeife 3-fach

- Dulzian 16'

- Trompete

- Tremulant

Koppeln:
Hauptwerk an Schwellwerk I · Schwellwerk I an Hauptwerk · Schwellwerk II an Schwellwerk I · Schwellwerk II an Hauptwerk · Hauptwerk an Pedal

Ausführliche Beschreibung der neuen Orgel hier zum Download

4.6 · Kronleuchter im Schiff

Koppeln etc.

4.7 · Fußboden-Fliesen

5 · Der Benger'sche Familienstuhl

Der Hauptmäzen des Umbaus hat sich und seiner Familie in der Kirche ein Denkmal gesetzt, den Benger'schen Familienstuhl links neben dem Chor. Drei ornamentierte Sessel, durch Schranken und einen ledernen Paravent vom Gemeinderaum abgesondert, sind überwölbt von einem reich geschnitzten Baldachin. Von diesem sehen die gemalten Bildnisse von Melanchthon, Luther und Brenz auf die Familie herunter. Das Gelass kann durch eine separate Tür, über der Engelfiguren schweben, betreten werden.
Dieser Familienstuhl ist für seine Zeit ein erstaunliches und auch wohl einzigartiges Ausstattungsstück. Abgeschirmte und besonders ausgestattete Plätze in den Pfarrkirchen gab es bis ins 18. Jahrhundert für den Ortsadel, der meist auch bestimmte Rechte und Pflichten in Bezug auf die Pfarrkirche hatte (Patronat). In späterer Zeit, als Dank und Anerkennung an einen Mäzen, dürften sie sehr selten sein.
Allerdings gab es in der Uhlbacher Kirche vor Dolmetsch dafür schon einen Vorgänger. Die Weingärtnerfamilie Currle - nicht die Schwiegereltern des Kommerzienrates - hatte seit dem 18. Jahrhundert auf der Südseite des Chors eine eigene abgeschirmte Familienempore, die über eine Außentreppe vom Friedhof her erreichbar war, das so genannte„Käfert" von dem Pfarrer Schmidlin berichtet.
Merkwürdig ist, dass die Bilder der Reformatoren, für die Gemeinde unsichtbar, nur für die Benger-Familie vorhanden waren. Zu jener Zeit noch gehörte in Württemberg ein Luther-Bild, manchmal zusammen mit Melanchthon, zur regelmäßigen Ausstattung des Gemeinderaums. Passte solches nicht in das Bildprogramm Dolmetschs? Oder sollten die besonderen Verdienste der Familie um die Kirche, nicht nur in Uhlbach, auf diese Weise gewürdigt werden?
Hinzuweisen ist noch auf den Paravent aus gepresstem und punziertem Leder, der den Familiensitz gegen den Gemeinderaum abschirmt. Er zeigt ein Rankengeflecht, das eine wappenähnliche Tafel mit den Initialen Gottlieb Bengers umgibt, eine handwerklich sehr gute Arbeit der Stuttgarter Werkstatt von Albert Feucht, aus der auch die Lederbezüge der drei Armsessel und Klapphocker stammen. (FE)

5.05 - 5.07: Rückwand des Familienstuhls
5.12 - 5.15: Melanchton - Luther - Brenz
5.21 - 5.23: Zugang (innen) zum Familienstuhl mit opulenten Schnitzereien, 2 musizierenden Engeln
nb: Direktzugang von außen siehe oben Bild 1.23
5.31 + 5.32: Paravent - Blick ins Schiff, aus dem Schiff

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6 + 7 · Die Decke im Schiff

8 · Die Kirche vor 1895

Aquarell von E. Abel

Die Andreaskirche um 1850

Die Andreaskirche um 1850

Grundriss der ehemaligen Kirche

nach einer Zeichnung von 1769

nach einer Zeichnung von 1769

Der Innenraum vor 1895

Rekonstruktionszeichnung von Prof. Hans-Jürgen Frank (2007)

Rekonstruktionszeichnung von Prof. Hans-Jürgen Frank (2007)

Die Innenraum-Rekonstruktionszeichnung von 2007 stimmt nicht mit dem "Grundriss von 1769" überein: Choreinrichtungsdetails sind nicht dargestellt (außer "Käfert" an der Chor-Südseite), die Kanzel einschl. Zugangstreppe sitzt am nördlichen Chorbogen statt auf der Nordwand beim Fenster, die Herrenstühle entlang der Wände sind nicht darge-stellt. jedoch ein Ofen an der Nordwand. Diese Zeichnung setzt einen Innenumbau zwischen 1769 und 1895 voraus. Ist der ab der Mitte des 19. Jh. (da kamen die Wasseralfinger Kirchenöfen auf) historisch belegt einschl. Versetzen der Kanzel und Entfernen der Herrenstühle? (UZ)

aus dem Christlichen Kunstblatt 1896:


Die Ortskirche 1490 an Stelle einer 1386 erbauten Kapelle gebaut, hat im Lauf der beiden letzten Jahre eine umfassende Erneuerung er-fahren, die dank der Unterstützung eines am Orte wohnenden Ehren-bürgers, Kommerzienrats G. Benger, eine künstlerisch so durchgebil-dete werden konnte, daß wir nicht versäumen möchten, die Leser des Christlichen Kunstblatts darauf hinzuweisen.
Es galt bei diesem Bauwesen zunächst im Äußeren und Inneren, das für die Erhaltung des ganzen Bauwerks und für die Benützung deselbigen Notwendige zu thun. Der Turm, schon lange schief, zeigte sich im Ge-bälk durchaus morsch, Eingänge und Stuhlung konnten in ihrem alten Zustand unmöglich länger belassen werden.

aus dem Kirchenführer (Fritz Endemann)

Das heutige Erscheinungsbild der Kirche ist das Ergebnis des Umbaus von 1894/95 durch Heinrich Dolmetsch. Von dem ursprünglichen spätgotischen Bau ist nur noch wenig sichtbar: außen der untere Teil des Turmes, dessen Eckquader noch die Löcher für die Transport-zangen zeigen, ferner die Wände der Sakristei an der Südseite und die in der Form eines Kielbogens gestaltete Rahmung des Westportals; innen sind mittelalterlich die Kreuzrippengewölbe des Chors und der Sakristei.

Vom Äußeren gibt es einige alte Ansichten, die die Nord- und West-seite sowie den Turm zeigen. Die Westseite zum Platz ist wenig ge-staltet und bis auf die Rahmung der Haupttür (Kielbogen) schmuck-los. Die große Öffnung in der Giebelwand diente offensichtlich dazu, die Bühne über der Flachdecke des Schiffes zu nutzen, u.a. für Feldfrüchte, Holz etc. An der Nordseite führte eine steinerne Außentreppe zur Em-pore. Auch an der Südseite hat es Außentreppen gegeben, eine zur Currle'schen Familienempore im Chor, eine andere zur südlichen Em-pore, die wohl auch den Zu gang zum Turm und zur Bühne vermittelte.

Leider ist vom alten Innenraum kein Bild auf uns gekommen. Insoweit sind wirauf die nicht immer präzisen Angaben von Pfarrer Schmidlin (a.a.O.) angewiesen. Nach diesen hat Hans-Jürgen Frank eine Rekon-struktion des Innenraumes gezeichnet. Wir sehen in einen schlichten Saal mit flacher bemalter Kassettendecke und einfachen Emporen. Die vorderen Sitzreihen sind nicht zum Chor, sondern zur Kanzel, die sich anders als heute nördlich vom Chorbogen befand, ausgerichtet.

Auffällig ist die große, leere Gesamtfläche zwischen dem niedrigen Chorbogen und dem Ansatz der Decke, sie steht zur Choröffnung nicht in einem ausgewogenen Verhältnis. Dies legt die Annahme nahe, dass der Chor ursprünglich zu einem kleineren und niedrigeren Schiff, nämlich dem der Kapelle des 14. Jahrhunderts, gehörte und an ihn 1490 das größere und höhere Schiff der Pfarrkirche angebaut wurde.

Dass der heutige Chor schon der der Kapelle war und sich über ihm auch schon ein Glockenturm erhob, dafür spricht nicht zuletzt die aus dem 14. Jahrhundert stammende kleine Glocke des Geläuts. Wenn es vor 1490 schon den Chor mit einem Turm darüber gab, dann erscheint es plausibel, dass man für die Pfarrkirche nur das Schiff vergrößerte, auf den kostspieligen Neubau von Chor und Turm aber verzichtete.

So war die Uhlbacher Kirche vor Dolmetsch ein einfaches dörfliches Gotteshaus mit karger Ausstattung, die zuletzt wohl auch ziemlich unansehnlich geworden war. Der Chor mit seinen kräftigen Gurtbögen und Gewölberippen, deren Schlussstein das württembergische Wappen trug, hatte, außer dass hier die Seile zum Läuten der Glocken hingen, keine Funktion mehr; er war auch durch die Familienempore des Schultheißen Georg Friedrich Currle, das schon genannte „Käfert", teilweise verbaut.

Ohne das glückliche Zusammenwirken von Dolmetsch und Benger wäre die Uhlbacher Kirche letztlich auch saniert und renoviert worden. In welcher Weise, darüber mag spekuliert werden, jedenfalls weit be-scheidener und ästhetisch anspruchsloser. Mit dem Kirchenraum von Dolmetsch aber gehört die Uhlbacher Kirche unter die besten Leis-tungen der ländlichen Kirchenbaukunst der Epoche in Württemberg.

Die Zeichnung 1769 entstammt einem Grundriss der für „das neu erbaut Marzischen Behausung der Kirche und des Thurms zu Uhlbach“ 1769 angelegt wurde. Signatur A213 Cannstatt Spezialia Bausachen.

Die Zeichnung stammt aus dem Hauptstaatsarchiv und wurde von einer Frau aus unserer Gemeinde koloriert und beschriftet, eigentlich zum Eigenbedarf des Arbeitskreises Ortsgeschichte.

Die Rekonstruktion von Hans-Jürgen Frank basiert auf den ungenauen Angaben von Pfarrer Schmidlin.

(Jakob Spaeth)

Impressum

Stuttgart-Uhlbach · Andreaskirche fotografiert im Februar 2021 - 208 Bilder
Auf www.kirchen-online.com veröffentlicht am 09.05.2021 SDG
(c) 2021 Foto-Kunst Andreas Keller
Links zuletzt überprüft am 15.08.2021

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