Schloßkirche

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Inhalt

Informationen / Geschichte der Schloßkirche / Die Schloßkirche im Dritten Reich
Außen
Grundrisse
Innen (1) · Übersicht
Innen (2) · Schiff Details
Innen (3) · Chor · Petrus & Paulus · Heilig-Geist-Taube im Chorbogen
Innen (4) · Kanzel - 1865 neu nach dem Entwurf von Alexander von Tritschler
Innen (5) · Altar - 1865 neu nach dem Entwurf von Alexander von Tritschler
Innen (6a) · Kanzel - Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt (4 Evangelisten, Verklärung Jesu)
Innen (6b) · Vorlagen für die Reliefs der 4 Evangelisten
Innen (6c) · Kanzel in der Martinskirche Kirchheim
Innen (6d) · Schloßkapelle Pfullingen (verloren gegangen)
Innen (7) · Crucifix · Das originale Crucifix von 1563 (heute auf dem Friedhof Neuhausen)
Innen (8) · Taufstein
Innen (9) · Westliche Stirnempore · 12 Steintafeln des ehemaligen Altars ==> Sonderseite
Innen (10) · Emporenbrüstung · 18 Köpfe
Innen (11) · Decke · Wappen
Innen (12) · Engelsköpfe · Schmuck
Innen (13) · Die Orgel
Innen (14) · Sakristei-Fenster
Herzog Christoph · Standbild auf dem Schloßplatz Stuttgart
Impressum

Einführung

Die Schloßkirche ist das wohl bedeutendste Zeugnis aus reformato-rischer Zeit, das wir in Stuttgart besitzen. Durch Umnutzungen und Umgestaltung im 19. Jahrhundert ist viel davon verloren gegangen. Dass sich hier außergewöhnliche Zeugnisse aus dem 16. Jahrhundert befinden ist den wenigsten bekannt.

So wundert es auch nicht, dass man - im Gegensatz zur Stiftskirche - kaum Einzel-Pubikationen über die Schloßkirche findet.

1973 erschien als Band 2 der "Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg" das Buch von Reinhard Lieske, Protestantische Frömmigkeit im Spiegel der kirchlichen Kunst des Herzogtums Württemberg. Deutscher Kunstverlag. Darin vor allem S. 60 - 66 mit einer eingehenden Darstellung der ehemaligen Kanzel und des ehemaligen Altars - beide gestaltet von Sem Schlör. Hieraus wird vielfach in Folgepublikationen zitiert. Text zum Download

Auch aus zwei Publikationen von Werner Fleischhauer wird in der Folgeliteratur häufig zitiert:
1966 in Festschrift für Karl Schumm · Württembergisch Franken • Jahrbuch Band 50 • Neue Folge 40 · Schwäbisch Hall Historischer Verein Württembergisch Franken: Neues zum Werk des Bildhauers Sem Schlör - Hier zum Download
1971Renaissance in Württemberg · Zur Schloßkirche S. 35-38 / zu Sem Schlör S. 133-140 - Hier zum Download

Im Katalog "Glaube, Welt und Kirche im evangelischen Württemberg" · Ausstellung zur 450-Jahr-Feier der Evang. Landeskirche · Evang. Schloßkirche, Stuttgart, 14. Juli - 23. September 1984 · Katalog - Teil 2" findet man eine Beschreibung der Schloßkirche von Karl von Grüneisen aus dem Jahr 1866. - hier zum Download.

Im Führer: Klaus Merten, Altes Schloß Stuttgart - in 2. Auflage erschie-nen 1986 im Deutscher Kunstverlag, München Berlin wird kurz und knapp auch die Schloßkirche beschrieben.
Ebenso bei Annegret Kotzurek, Kleine Geschichte des Alten Schlosses in Stuttgart - DRW-Verlag Leinfelden-Echterdingen 2003.

1995 erschien "Burg- und Schlosskapellen : Kolloquium des Wissen-schaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung" / hrsg. von Barbara Schock-Werner. Darin: Walther-Gerd Fleck · Stuttgart, Altes Schloß, Schloßkirche. Hier zum Download

Die einzig umfassende Monographie über die Schloßkirche erschien 1999:
Die Schloßkirche im Alten Schloß zu Stuttgart - Ein protestantischer Gottesdienstraum der Renaissance im Herzogtum Württemberg. Magisterarbeit am Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart. Vorgelegt von Günter Memmert,
Diese Magisterarbeit wurde leider nie öffentlich publiziert. S. 38-91 hier zum Download. Größere Ausschnitte sind außerdem bei der Betrach- tung der Kanzel, des Crucifix und des Altars mit den 12 Steinreliefs zu finden.

Aus ihr erschien 2009 im Band "475 JAHRE REFORMATION - 450 JAHRE GROSSE KIRCHENORDNUNG · BEGLEITBUCH ZUR AUSSTEL-LUNG - herausgegeben von Andrea Kittel und Wolfgang Schöllkopf ein umfangreicher Auszug:
DIE SCHLOSSKIRCHE IM ALTEN SCHLOSS ZU STUTTGART · DER ERSTE KIRCHENNEUBAU IM HERZOGTUM WÜRTTEMBERG NACH DER REFORMATION - GÜNTER MEMMERT - hier zum Download.

Ebenfalls im Jahr 2009 erschien in "Schwäbische Heimat" (Heft 4 Okt-Dez) ein großer Aufsatz von Dr. Klaus Thiele: Die Steinreliefs Sem Schlörs in der Stuttgarter Schlosskirche. Dieser ist vollständig hier an entsprechender Stelle zu finden.

Zur Frage der Wappen in der Decke erschien in der Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 70. Jahrgang 2011 · ein Aufsatz von Prof. Hermann Ehmer: Die Ahnenprobe Herzog Christophs von Württemberg in der Schloßkirche in Stuttgart. Hier zum Download und an entsprechender Stelle zu finden.

Zum Besuch der Schloßkirche sei eine Führung durch Heide Quandt nachhaltig empfohlen, mindestens aber der Erwerb des kleinen Kirchenführers, verfasst von Dr. Memmert und bebildert von ihr: "Die Schlosskirche im Alten Schloss zu Stuttgart." Erhältlich am Infostand der Stiftskirche.

Die Schloßkirche ist jeden Mittwoch von 13:00 - 14:00 zur Besichtigung geöffnet.

Im Internet ist die Kirche nur auf der Website zum Reformationsjahr 2017 gut dargestellt. Hieraus [Quelle: "Internet"] und aus dem "Kirchen-führer" (Memmert/Quandt) wird nachfolgend zitiert.

Informationen auch auf www.kirchbau.de

Danksagung

Bei der Erstellung dieser Seite waren mir viele Personen behilflich. Ihnen allen sei hier sehr herzlich Dank gesagt, insbesondere:

Karl Bayer (Neuhausen a.d.F.)
Stiftspfarrer i.R. Manfred Bittighofer
Dr. Norbert Bongartz
Prof. Dr. Hermann Ehmer
Prälat i.R. Martin Klumpp
Dr. Günter Memmert
Heide Quandt - von ihr bekam ich auch Fotos zur Übernahme
Mesner Hartmut Ritter
Stefan Spiller (Pfullingen)
Dr. Klaus Thiele (Wolfenbüttel)
Pfarrer Matthias Vosseler

~

ebenso MitarbeiterInnen von Bibliotheken und Archiven - u.a.:


Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (Esslingen)
Landeskirchliches Archiv & Zentralbibliothek
Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
Landesmuseum Württemberg
Staatsarchiv Ludwigsburg
Staatsgalerie Stuttgart
Stadtarchiv Stuttgart
Württembergische Landesbibliothek

Geschichte der Schloßkirche I (tabellarische Kurzübersicht)

Wichtige Persönlichkeiten

a) im 16. Jahrhundert

Herzog Ulrich (1487 – 1550) ab 1498 – 1519 / Vertreibung / 1534 – 1550

Herzog Christoph (1515 – 1568) ab 1550

Herzog Ludwig (1553 – 1593) ab 1578 [1568 – 1578: Vormundschaft]

Herzog Friedrich I. (1557 – 1608) ab 1593

Johannes Brenz (1499 – 1570) ab 1553 Stiftspropst von Stuttgart

Alberlin Tretsch (um 1510 – Anfang 1578) [Baumeister der SK]

.

b) im 19. Jahrhundert

König Friedrich Wilhelm Karl von Württemberg (1754 - 1816) ab 1797 (Herzog), 1803 (Kurfürst), ab 1806 König

König Wilhelm I. von Württemberg (1781 - 1864) ab 1816

König Karl III. von Württemberg (1823 - 1891) ab 1864

Alexander Tritschler [Alexander Friedrich Albrecht von Tritschler] 1827 – 1907 [Baumeister bei der Renovierung 1865]

Zeittafel

1534

Württemberg wird protestantisch / 1. Predigt am 15.5.1534 in der Stiftskirche

1536/53

„Kleine Kirchenordnung“

1550-52

Interim

1555

Religionsfriede

1558

Baubeginn der Seitenflügel des AS

1559

„Große Kirchenordnung“

11.12.1562

Einweihung der SK (Predigt: Balthasar Bidembach)

1563

Jahreszahl auf dem Crucifix

19. / 20. Jahrhundert

 

1809

Neujahr: Verlegung der Hofgottesdienste in die Akademiekirche (Grüneisen)

1812

In die SK wird die Bibliothek des Klosters Weingarten eingelagert

1820

Einbau der Hofapotheke in die SK . Der Altar mit den 12 Stipestafeln und das Crucifix werden an die kath. Kirchgemeinde Neuhausen a.d.F. verschenkt. Dort Aufstellung auf dem Friedhof.

1864

König Wilhelm I. plant die SK instandsetzen zu lassen (Hofbaumeister Egle)

1865

Rückgabe der 12 Stipestafeln des ehemal. Altars à Arkadenumgang des AS.

26.11.1865

Wiedereinweihung der SK nach völliger Umgestaltung (s. Bericht Grüneisen)

1944

teilw. Zerstörung des Alten Schlosses durch Bomben, SK weitgehend verschont, 12 Stipestafeln „schwer beschädigt“, werden zunächst eingelagert, später konserviert & restauriert. Seit 1982 auf der Westempore der SK

Geschichte der Schloßkirche II (Text)

Herzog Christoph (geb. 1515, gest. 1568) übernahm 1550 die Regierung von seinem Vater Herzog Ulrich, der 1534 die Reformation in seinem zurückeroberten Herzogtum eingeführt hatte. Als Herzog Christoph im Jahr 1553 begann, die mittelalterliche Wasserburg seiner Vorväter in seiner Residenzstadt Stuttgart zu einem vierflügeligen Renaissance-Schloss auszubauen, wollte er von Anfang an auch eine Schlosskirche für seine „Hofgemeinde", für die er sich als „Kirchenvater" verantwort-lich sah, einrichten und wählte dazu den Südwestflügel der geschlos-senen Anlage. Diese Lage ergab sich möglicherweise daraus, dass dort im ehemaligen Vorhof das Brunnenhaus stand, in dem vermutlich die alte Schlosskapelle untergebracht war.

Als das Brunnenhaus im Jahr 1558 abgebrochen war, konnte mit dem Bau des Kirchenflügels begonnen werden. Es konnten bisher keine Hinweise gefunden werden, wie der Bauherr oder sein Baumeister Aberlin Tretsch (geb. um 1510 in Stuttgart, 1536 -1575 herzoglicher Baumeister, gest. 1577 oder 78) auf den Gedanken kamen, einen quergerichteten Gottesdienstraum, der für den protestantischen Predigtgottesdienst besser geeignet ist als ein längsgerichteter Raum, einzurichten, obwohl der schmale Schlossflügel nur einen Raum mit einer lichten Breite von rund 7,50 m bei einer Länge von bis zu rund 27,4 m, also einem Seitenverhältnis von rund 1:3,6, zuließ.

Herzog Christoph sandte seinen Werkmeister Blasius Berwart im Jahr 1559 nach Neuburg an der Donau, um die dortige, 1543 geweihte Schlosskapelle aufzumessen, und ließ sich bei seinen Kirchenplänen von seinem weitgereisten Fechtmeister Leonhard Fronsberger, der die von Dr. Martin Luther im Jahr 1544 eingeweihte Kapelle im Schloss Hartenfels zu Torgau gesehen hatte, beraten. Beide Vorbilder haben jedoch keine querorientierte Räume und konnten nur Anregungen für den Einbau von Emporen, Abendmahlstisch, Kanzel und Taufstein bieten, Neuburg auch für eine Chornische. Die Stuttgarter Schloss-kirche, bei der außer der Querorientierung vor allem die nahe Zuordnung von Abendmahlstisch und Kanzel und ihre Lage inmitten der Gemeinde zum Vorbild für Nachfolgebauten werden sollte, wurde am 11. Dezember 1562 eingeweiht.

Nachdem im Jahr 1809 die Hofgottesdienste in die Kirche der Akade-mie hinter dem Neuen Schloss verlegt worden waren, wurde die Schlosskirche nicht mehr benutzt und diente 1812 zur Einlagerung der Bibliothek des säkularisierten Klosters Weingarten und nach baulichen Veränderungen seit 1820 als Hofapotheke.

Kurz vor seinem Tod fasste König Wilhelm I. den Plan, die Schloss-kirche wieder instandsetzen zu lassen, doch erst sein Sohn, König Karl, konnte die Neugestaltung im Jahr 1865 in die Tat umsetzen. Hierzu beauftragte er den Architekten Professor Alexander von Tritschler (1828-1907), der die Querorientierung des Raumes beibehielt, die Empore durch eine ebenfalls dreiseitige Empore mit tieferer Längsempore ersetzte und der Ausstattung neogotische Züge mit anglisierendem Klang verlieh. Die Wiedereinweihung erfolgte am 26. November 1865.

Mit Ausnahme der im Zweiten Weltkrieg zerstörten farbigen Fenster im Chörlein und der durch Stühle ersetzten Kirchenbänke bietet die Schlosskirche auch heute noch den Anblick der neogotischen Umgestaltung. Die bei der Profanierung herausgenommenen Stein-tafeln des Altars und der Kanzel konnten zwar bei der Neugestaltung zurückerworben werden, wurden aber als zu plump empfunden. Vier Brüstungstafeln der ursprünglichen Kanzel mit den Darstellungen der Evangelisten wurden dem neuen, kleineren Altar eingefügt, an dem nun auf der Rückseite die Evangelisten Lukas mit dem Stier und Markus mit dem Löwen, an den Schmalseiten Johannes mit dem Adler und Matthäus mit dem Engel und dem Signum des Steinmetzen und Bildhauers Sem Schlör zu sehen sind. Die fünfte Relieftafel mit der Darstellung der Verklärung Jesu wurde zusammen mit einer Inschriftentafel für den Erbauer der Schlosskirche, Herzog Christoph, mit der Jahreszahl 1565 und einer zweiten für den Auftraggeber der Restauration, König Karl, mit der Jahreszahl 1865 zu einer Gedenktafel außen neben dem Eingangsportal zur ehemaligen Königsloge in die Mauer des Dürnitzflügels eingelassen.

Quelle: Kirchenführer

Die Schloßkirche im Dritten Reich

Über die Auseinandersetzungen in der Evangelischen Kirche in Württemberg, insbesondere in Stuttgart, kann man sich gut zum Einstieg in die Problematik informieren mit folgendem Buch:

Martin Klumpp (Hg.)
Wer ist unser Herr?
Evangelische Christen und das Dritte Reich · Erfahrungen aus Stuttgart
Quell Verlag Stuttgart 1982, 167 S.

mit folgenden Beiträgen:
Martin Klumpp Zum Thema »Evangelische Christen und das Dritte Reich«
Gerhard Schäfer Der Streit um das Kirchenregiment 1934
Friedrich Epting Gottes Führung in politischen Ereignissen?
Rudolf Weeber Volkskirche — Landeskirche — Bekenntniskirche
Werner Jetter »Dem Führer treu und gehorsam«Staatlicher Gehorsamseid 1937/38
Hans Stroh Das tödliche Nebeneinander
- Dokumente

Auszug aus Beitrag Friedrich Epting

Da über die Beurlaubung Schneiders in der Gemeinde allerlei Gerüchte umgingen, »die Leonhardspfarrer hätten ihren Kollegen brotlos gemacht« und ähnliches, sah sich der Kirchengemeinderat am 25. 7. 1936 zu einem »Wort zu den letzten Vorgängen in der Leonhardsgemeinde« veranlaßt. Am 23. 10. 1936 wurde Pfarrer Schneider nach Eröffnung des förmlichen Dienststrafverfahrens vorläufig seines Dienstes enthoben; das Verfahren konnte aber nicht durchgeführt werden, erst nach Kriegsende wurde er in den Wartestand versetzt. Der Kultusminister Christian Mergenthaler hat dann auf Bitten seiher Anhänger die Schloßkirche Georg Schneider als Predigtstätte überlassen. Das war möglich, da die Schloßkirche ja in staatlichem Besitz steht. Ähnliches drohte der Garnisonskirche, die im Krieg durch Bomben ganz zerstört und dann nicht wieder aufgebaut wurde. So entstand an der Schloßkirche eine Sondergemeinde, die sich an die radikalen Thüringer Deutschen Christen anschloß. Der Rest dieser Sondergemeinde hat sich meines Wissens bis heute erhalten unter dem Titel »Christlicher Lebensglaube«. (S. 67)

Viele 1000 Seiten umfasst die Dokumentation:

Gerhard Schäfer:
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg und der Nationalsozialismus
Eine Dokumentation zum Kirchenkampf

- Band 1: Um das politische Engagement der Kirche 1932 - 1933
- Band 2: Um eine deutsche Reichskirche 1933
- Band 3: Der Einbruch des Reichsbischofs in die Württembergische Landeskirche 1934
- Band 4: Die intakte Landeskirche 1935 - 1936
- Band 5: Babylonische Gefangenschaft 1937-1938
- Band 6: Von der Reichskirche zur Evangelischen Kirche in Deutschland 1938 - 1945
- Erg.-Bd.: Landesbischof D. Wurm und der nationalsozialistische Staat : 1940 - 1945; eine Dokumentation / In Verb. mit Richard Fischer zsgest. von Gerhard Schäfer
.

Auszug aus Band 5

In Württemberg ist, nachdem die Überlassung der Schloßkirche an die Volkskirchenbewegung DC die Parteinahme staatlicher Stellen für eine nicht auf dem Boden von Bekenntnis und außerhalb der Verfassung stehende Splittergruppe offensichtlich gemacht hat, mehrfach bei Weihnachtsfeiern in städtischen Krankenhäusern nicht der zuständige Geistliche, sondern ein jener Gruppe angehörender auswärtiger Pfarrer beigezogen worden. Neben der Schloßkirche sind eine Reihe weiterer Kirchen der Volkskirchenbewegung DC zur Verfügung gestellt worden: die Petruskirche in Bietigheim, die Kapelle im Waisenhaus in [Schwab.] Gmünd und der Betsaal der Heilanstalt in Winnenden, nachdem früher schon die Spitalkirche in [Schwab.] Hall für diesen Zweck eingeräumt worden war.

Außen

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Grundrisse

    • Altes Schloß "heute"

    • Abb. 24 Memmert (Rall 1924)

    • Abb. 38+39 Memmert (Egle 1860/62)

    • Abb. 35 Memmert (Plan eines grossen Residenzschlosses 1746 (L. Retti)

Innen (1) · Übersicht

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    • Franz Heinrich, Inneres der protestantischen Kirche im Alten Schloss, um 1870

      Inv.Nr. C 1958/GVL 179,45 Aquarell, 27,7x36,4 cm · Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung · Foto ©Staatsgalerie Stuttgart
      Blick nach Westen - auf der Empore die Orgel (heute auf der Ost-Empore). Vor dem Altar der (lange verschollene) Taufstein - s.u.

    • (falsche) Bildunterschrift: Tritschler Januar 1865

      Blick nach Osten, Empore mit der Orgel (Erstaufstellungsplatz)

Innen (2) · Schiff Details

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Innen (3) · Chor · Paulus & Petrus · Heilig-Geist-Taube im Chorbogen

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    • Paulus

    • Foto: Heide Quandt

    • Petrus

    • Foto: Heide Quandt

Innen (4) · Kanzel - 1865 neu nach dem Entwurf von Alexander Tritschler

Beim Einbau der Hofapotheke im Jahr 1820 war die Kanzel verkauft worden. Im Jahr 1865 schrieb der Architekt der Neugestaltung, Alexander Tritschler, daß er die Reliefs der alten Kanzel im Haus des Kutschers Friedrich aufgefunden habe und daß er zu dem Ergebnis gekommen sei, "daß dieselben zur Dekorierung des Altars ganz passend verwendet werden könnten".

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Innen (5) · Altar - 1865 neu nach dem Entwurf von Alexander Tritschler

Bereits beim ersten Auftreten von Kanzeln vor der Reformation (in Predigerordenskirchen und in Kirchen mit Prädikantenstellen) hatten sich zwei Themen durchgesetzt, was auch damit zusammenhing, daß sich je nach der Kanzelform und Anlage der Kanzeltreppe vier oder fünf Brüstungsseiten ergaben. Diese Themen waren die vier Kirchenväter oder die vier Evangelisten, falls baulich erforderlich durch jeweils ein weiteres Thema ergänzt. Als solches bot sich die Madonna oder eine Christusdarstellung an.

Die Evangelisten-Tafeln der ursprünglichen Kanzel wurden von Alexander Tritschler 1865 zur Gestaltung des Altares eingesetzt, der heute noch in der Schloßkirche steht. Die dabei verwendeten Pilaster wurden damals neu angefertigt. Sie tragen zwar ebenfalls Blattranken in Renaissanceformen, sind aber nur flach ausgearbeitet und haben eine glatte Oberfläche, so daß sie wie Laubsägearbeiten wirken. In halber Höhe tritt jeweils ein Kreisring vor, der ein leicht geschweiftes griechisches Kreuz mit je einer Kugel zwischen Kreuzarmen und Kreisring einschließt. Ring, Kreuz und Kugeln sind vergoldet. Die Tafeln, die von diesen Neorenaissance-Pilastern begleitet werden, sind die Original-Tafeln, deren rahmendes Weinrankenwerk stellenweise ergänzt und insgesamt vergoldet wurde. Auch hier sitzen die Bilder in vertieften Rundbogennischen. An den Schmalseiten des Altars ist je eine Tafel eingesetzt, der Evangelist Johannes an der Westseite, Matthäus an der Ostseite. Die Tafeln von Markus und Lukas sind an der rückseitigen Langseite eingefügt.

Der Evangelist Matthäus sitzt dagegen an einem Tisch in einem Raum mit Sichtmauerwerk. Er schreibt in ein Buch auf einem auf dem Tisch stehenden Schreibpult nach dem Diktat eines übereck am Tisch sitzenden, ihn überragenden Engels, seiner Symbolfigur. Über ihnen vor der Raumecke schwebt die Taube des Heiligen Geistes. Liebevoll sind viele Details geschildert, so ein vergittertes Fenster, unter dem in einer waagrechten Halterung mehrere Werkzeuge und Instrumente stecken, vermutlich Buchbindergeräte. Der Evangelist, der mit Bart und kurzgelocktem Haar dargestellt ist, sitzt auf einem gepolsterten Stuhl mit hoher Lehne, die mit Kugeln bekrönt ist. Über den Tisch ist ein mit Fransen besetztes Tischtuch gebreitet, auf ihm befinden sich einige Schreibgeräte und ein Tintenfaß. Unter dem Tischtuch lugen Tischbeine hervor, die geschweiften Kreuzrippen eines Gewölbes gleichen, die mit einem "geschnitzten Schlußstein" belegt sind. In diesen ist das Zeichen Sem Schlörs eingeschnitten, ein aus Wolken ragender Arm mit einem Zweispitzhammer und sein Monogramm S.S.

Johannes sitzt nach links oben blickend im Vordergrund einer felszerklüfteten Landschaft, die mit Bäumen bestanden ist und im Hintergrund rechts eine Burg zeigt. Links vor dem Evangelisten sitzt auf einem Felsen sein Symbol, der Adler. Dem Schreiber ist ein jugendliches, pausbäckiges Gesicht gegeben, seinen Kopf umlocken lange, auf die Schultern fallende Haare. Bekleidet ist er mit einem faltenreichen Gewand in Art eines Talares. Während er, seinen Stift in ein halbgeöffnetes Buch haltend, beim Schreiben innehält, blickt er auf die links oben in einem Wolkenkranz schwebende Taube des Heiligen Geistes und wartet auf neue Eingebungen.

Auch die Evangelisten Markus und Lukas sind in Innenräumen sitzend dargestellt. Im Vordergrund liegen ihre Symbolflguren. Während der geflügelte Löwe die Beine seines Herren völlig verdeckt, wird der Stier nur mit Kopf, Vorderbeinen und angeschnittenen Flügeln sichtbar, sodaß der Blick auf Unterkörper und Füße des schreibenden Lukas freibleibt.

Wieder wird die Inneneinrichtung erzählerisch ausgebreitet, Fenster und Mobiliar, Sitz- und Schreibgelegenheiten, Hängebord und Gerätehalterung und viele Gebrauchsgegenstände. Die Evangelisten blicken aber auf Ihre Bücher, keine Taube und kein Engel bringt Ihnen göttliche Eingebungen»

Nun hat Werner Fleischhauer nicht nur die Verklärungs-Tafel, sondern auch alle Evangelisten-Tafeln Sem Schlör zugeschrieben. Doch muß bezweifelt werden, ob alle Tafeln aus einer Hand stammen, denn die Reliefs der Evangelisten Markus und Lukas sind weniger tief gearbeitet als die Reliefs der anderen Tafeln. Die Figuren von Löwe und Stier wirken nicht körperhaft, sondern wie ausgeschnitten, und auch die dazugehörigen Evangelisten erscheinen nur im Umriß, Ihre Binnenlinien nur wie eingeritzt.

Wenn man also die Verklärungs-Tafel und die Tafeln mit Matthäus und Johannes dem Meister Sem Schlör zuschreiben muß und die Pilaster der ursprünglichen Kanzel dem Meister H.R., dann müßte noch ein dritter Steinmetz am Werk gewesen sein. Die flachen Reliefs von Markus und Lukas möchte man nicht dem Meister H.R. unterschieben, der seine feingliedrigen Ranken so tief aus dem Stein schlug.

Nun darf angenommen werden, daß der Qualitätsunterschied bereits bei der Entstehung erkannt wurde. So wurden vielleicht die beiden flacher gearbeiteten Tafein in die beiden Seiten der sechseckigen Kanzel eingesetzt, die mit spitzem Winkel unmittelbar an die Wand anschlössen und daher schlechter einsehbar waren. Dies könnte ein weiterer Hinweis sein für eine Kanzellösung auf Sechseck-Basis.

Ungelöst bleiben muß die Frage, wer der dritte Steinmetz an der Kanzel gewesen sein könnte.

Quelle: Memmert 1999

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    • Evangelist Matthäus mit Engel

    • Signum des Steinmetzen und Bildhauers Sem Schlör

      Tafel Evangelist Matthäus

    • Altar Rückseite mit (1947) angeschraubtem Crucifix

    • Altar Rückseite · angeschraubtes Crucifix digital entfernt

    • Evangelist Markus mit Löwe

    • Evangelist Lukas mit Stier

    • Evangelist Johannes mit Adler

Innen (6a) · Kanzel - Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt (4 Evangelisten / Verklärung Jesu)

Die fünf Relieftafeln der Kanzelbrüstung konnten zurückerworben werden und vier von ihnen, diejenigen mit der Darstellung der Evangelisten, wurden nach dem Plan von Alexander Tritschler in einen neugestalteten Altar eingefügt. Die mittlere Tafel mit einem Relief der Verklärung Jesu und vier zugehörige Pilaster wurden mit zwei neuen Inschriftentafeln zu einem Wanddenkmal unter den Schloßhofarkaden zusammengefügt.
Mit Hilfe dieser fünf Reliefplatten und vier Pilaster läßt sich die ursprüngliche Kanzel zeichnerisch rekonstruieren. Allerdings gibt es grundsätzlich zwei Lösungsmöglichkeiten: Ein Kanzelkorpus, der auf fünf Seiten eines Sechseckes aufbaut, und einer, der aus fünf Seiten eines Achteckes gebildet wird.
Leider geben die Zeichnungen von R.F.H.Fischer zur Lösung dieser Frage keine Hilfe, denn in ihnen ist die Kanzel mit quadratischem Grundriß eingetragen. So kann aber die ursprüngliche Kanzel nicht gestaltet gewesen sein, da in diesem Fall nur drei Relieftafeln nötig gewesen wären, während fünf vorhanden sind. Hier muß es sich also abermals um eine zeichnerische Ungenauigkeit Fischers handeln.
Auf der Zeichnung von Leopoldo Retti ist eine Kanzel mit sechseckigem Grundriß dargestellt. In diesem Fall können alle fünf Tafeln eingesetzt werden. Allerdings muß bei dieser Lösung in Kauf genommen werden, daß die beiden an die Raumwand anschließenden Relieftafeln schwerer eingesehen werden können. Die Achteck-Lösung, die Erwin Rall in seine Rekonstruktionszeichnung eingetragen hat, ergibt dagegen eine sehr große, ungefüg wirkende Kanzel, so daß der Verfasser die Sechseck-Lösung für die ursprüngliche hält. Bei genauer Betrachtung der Reliefdarstellungen ergibt sich noch ein weiterer Grund für diese Annahme.

Quelle: Memmert 1999

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    • Markus

    • Matthäus

    • Verklärung Jesu

    • Johannes

    • Lukas

Innen (6b) · Vorlagen für die Reliefs der 4 Evangelisten

Heide Quandt fand in einer Publikation (The Illustrated Bartsch 11 / in der WLB Stuttgart) Bilder der vier Evangelisten, die mit größter Wahrscheinlichkeit Sem Schlör als Vorlagen für die Steinreliefs dienten. Sie kommen jedenfalls aus der Werkstatt Lukas Cranach, man kann aber nicht mit Gewißheit sagen, ob von L.C. dem Älteren, dem Jüngeren, Hans C. oder anderen Mitarbeitern der Werkstatt.

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Innen (6c) · Kanzel in der Martinskirche Kirchheim

Die rechts abgebildete Kanzel befindet sich in der Martinskirche Kirchheim u. Teck.

Kirchheim wurde am 3. August 1690 von einer großen Feuersbrunst heimgesucht, der auch die Kirche mit der gesamten Innenausstattung zum Opfer fiel.

Die in den Folgejahren neu geschaffene Kanzel zeigt die vier Evangelisten und als Mittelbild die Himmelfahrt Jesu.

Das erstaunliche hieran ist die Tatsache, dass die 4 Evangelistenbilder Abgusskopien in Gips der Stuttgarter Kanzelbilder von Sem Schlör sind.

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Beschreibung:

Die Kanzel steht nördlich am Chorbogen, somit an einer, von allen Seiten, auch vom Chor her einzusehenden Stelle. Das muß schon vor 1690 so gewesen sein, denn in diesem Jahr wird die Türe, die aus der Sakristei auf die Kanzel geht, offenbar wegen einer anderen Führung des Kanzelzugangs, zugemauert. Vom Architektonischen her gesehen wird die Kanzel, allerdings unter Brechung der ursprünglichen Aufgabe des Chorbogens, zu einer Art „Scharnier" der räumlichen Bewegung und darin als Träger einer gottesdienstlichen Hauptfunktion gekennzeichnet...

    • Kanzelzugang · 2 Ornamentfelder · Matthäus · Markus

    • Markus · Himmelfahrt Jesu · Lukas

    • Lukas · Johannes

Die Korbseiten nehmen die Reliefs der Evangelisten und der Himmelfahrt in flachen Rundbogen-Blendarkaden ein. Matthäus, Markus und Lukas sitzen in kastenartigen Innenräumen, deren Einrichtung mit großer Freude am Gegenständlichen geschildert wird, an Tischen oder an Pulten. Matthäus und Markus schreiben, Lukas scheint eher zu zeichnen oder zu malen — soll er doch nach der Legende Maria abkonterfeit haben, weshalb er der Schutzheilige der Künstler wurde. Nur Johannes schreibt sitzend in einer bergigen Landschaft, auf deren Gipfeln man eine Gemse und ein Haus samt Turm gewahrt. Allen vier Evangelisten ist ihr Symbol beigegeben: Matthäus der Engel, Markus ein Flügellöwe, Lukas ein Flügelstier, Johannes ein Adler...

Im Himmelfahrtsrelief sieht man die um einen Berg versammelten Jünger, sie werden von zwei Engeln im Sinne von Apostelgeschichte 1, 10—11 auf die Wiederkunft Christi verwiesen, der oben über Wolken neben Gottvater unter der Taube des Heiligen Geistes thront...

Das Material des Korbes ist Gips mit einzelnen Holzteilen (Säulen, Blätter): der Deckel ist samt seinen Figuren in Holz ausgeführt. Wann wurden Korb und Deckel geschaffen und wer sind ihre Meister? Nach den Akten des Stadtarchivs haben Hans Jakob und Hans Jörg Knöpfle (wörtlich „Knöpfflin"), „Ipßer zu Stuetgart", „die Canzel mit Ipßwerckh von sauberen biblischen Figuren außgefertigt"; sie quittieren am 26. März 1693 über 75 Gulden und 5 Gulden für Gips.

Es fiel schon immer auf, daß die figürlichen Reliefs des Kanzelkorbs entweder Kopien älterer Vorlagen oder überhaupt früher anzusetzen sind. Werner Fleischhauer hat nun jüngst darauf aufmerksam gemacht, daß diese Reliefs — ohne die rahmenden Blendarkaden — genau mit entsprechenden Arbeiten übereinstimmen, die aus der Stuttgarter Schloßkirche stammen, jedoch im letzten Krieg größtenteils zugrunde gingen. Er schreibt die Stuttgarter und die Kirchheimer Evangelisten-reliefs einem Meister H. R. zu, die Himmelfahrt Sem Schlör; die Stuttgarter Arbeiten setzt er ins Jahr 1563, die Kirchheimer Reliefs gehörten dann etwa derselben Zeit an. Wenn man jedoch berück-sichtigt, daß diese Reliefs aus Gips sind, dazu mit den Stuttgarter Reliefs bis in kleinste Einzelheiten übereinstimmen, auch bedenkt, daß die Knöpfle gerade die biblischen Figuren angedingt erhielten, so bleibt nur die eine Möglichkeit, daß es sich bei den Kirchheimer Arbeiten um Nachgüsse der Knöpfle nach den Stuttgarter Originalen handelt. Das Kirchheimer Matthäus-Relief erlaubt übrigens einen wichtigen Rückschluß auf den Meister dieser Originale. An der Kreuzung der Tischbeine wurde eine Kartusche angebracht, die den ausgestreckten Arm mit Hammer, das Meisterzeichen Sem Schlörs, darüber die Buchstaben S. S. (Sem Schlör) zeigt. Somit müssen die Stuttgarter Reliefs Sem Schlör gegeben werden; ihre besondere stilistische Haltung dürfte durch die Bindung an ältere Stichvorlagen bedingt sein. Kirchheim hat jedenfalls als Kuriosum aufzuweisen, daß sich an der Kanzel seiner Martinskirche gute barocke Abgüsse verlorener oder beschädigter Arbeiten von Sem Schlör erhalten haben.

Quelle: Evangelische Martinskirche zu Kirchheim unter Teck, Führer „Die Künstlerische Ausstattung der Martinskirche zu Kirchheim unter Teck“ von Dr. Adolf Schahl, hrsg. 1965

Links: Martinskirche Kirchheim u.T. · Rechts: Schloßkirche Stuttgart

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Vergleicht man "Stuttgart" mit "Kirchheim" ganz genau, stellt man fest, dass die beiden Gipser Hans Jakob und Hans Jörg Knöpfle 1690 (also ca. 130 Jahre nach dem Entstehen des Stuttgarter Originals) entweder eine einfachere Vorlage benützt haben müssen oder aber beim Kopieren viele kleine Details weggelassen haben.

In Kenntnis der Kirchheimer Kanzel möchte ich die These von Günter Memmert bezüglich der Reihenfolge der Tafeln an der Stuttgarter Kanzel (Markus | Matthäus - Verklärung Jesu - Johannes | Lukas) In Frage stellen, da dies doch sehr wahrscheinlich dann auch nach Kirchheim übernommen worden wäre. So ist für mich die "Standard-Reihenfolge" (Matthäus | Markus - Verklärung - Lukas | Johannes) naheliegender und zwingt vielleicht auch zu der Schluß-folgerung, dass die Stuttgarter Kanzel nicht auf einem Sechseck, sondern doch auf einem Achteck (5/8) aufgebaut war.

Innen (6d) · Schloßkapelle Pfullingen (verloren gegangen)

Von dem unter Herzog Christoph durch seinen Baumeister Aberlin Tretsch in den 1560er Jahren errichteten Schloss im Renaissancestil , einer rechteckigen Vierflügelanlage, existiert heute nur noch der Südflügel, in dem u.a. die Pfullinger Musikschule und ein Kindergarten untergebracht sind. Der Nordflügel wurde Mitte der 1830er Jahre abgebrochen.
Die Schlosskapelle dürfte sich im Inneren des Schlossgebäudes befunden haben. Unter den sonst dokumentierten Baulichkeiten auf dem Schlossareal taucht keine Kapelle aus dieser Zeit auf. Lediglich in der Zeit der Heilanstalt Flamm, die von Mitte des 19. Jh. bis etwa 1920 auf dem Schlossareal bestand, wurde dort eine eigene Kirche errichtet. Sie wurde wie die übrigen Nebengebäude des Schlosses bzw. Bauten der Heilanstalt Ende der 1960er Jahre für einen Schulneubau und den Straßenausbau abgebrochen.

In der einschlägigen Heimatliteratur werden, leider ohne genaue Quellenangabe, die Vorgaben des Herzogs an seinen Baumeister zur Ausstattung der Kapelle zitiert, so etwa bei Gottfried Maier (Pfullingen und seine Erlebnisse in 1500 Jahren, 1930, S. 167):

„Am 25 November 1561 befahl er [Herzog Christoph] die Schloßkapelle also auszuschmücken: um Altar und Predigtstuhl Figuren über die 12 Artikel christlichen Glaubens, aufzureißen von Aberlin Tretsch. Christoph gab Anweisungen für einzelne Illustrationen, z.B. zum ersten Artikel: wie Gott der Herr dem Mose im roten Busch erschienen ist, und wie er ihm die Tafeln der 10 Gebote gegeben hat. Ferner zu dem Artikel „von dannen er kommen wird“: Figuren vom jüngsten Gericht. Zu den Worten „ich glaube an den heiligen Geist“: Die Taufe Christi am Jordan. Zu „Auferstehung des Fleisches“; es soll nachgedacht werden über eine erbauliche Figur. In vier Feldungen um den Predigtstuhl: die vier Evangelisten und in die 5. die Sendung des heiligen Geistes über die Apostel. Ferner der Auftrag: Auf den Altar ein Kruzifix hauen lassen, unter der Figur Christi am Kreuz: Maria und Johannes, auch etliche Sprüche darüber.“

Dank an Stefan Spiller, Stadtverwaltung Pfullingen - Stadtarchiv, der mir freundlicherweise diese Informationen zukommen ließ.

Innen (7) · Crucifix

Crucifix (1947) von Martin Scheible (1873 - 1954), der auch das große Hängekreuz in der Stiftskirche (1943) geschaffen hat. Hinweise auf Wikipedia

Das originale Crucifix von 1563

heute auf dem Friedhof Neuhausen a.d.F.

Günter Memmert übernimmt in seiner Magisterarbeit (1999 & Nachdruck 2009) die These von Klaus Merten (Altes Schloß - Führer - 1975, 2. Aufl. 1986):
"Hinter dem Altar stand ein steinernes Kreuz mit einem lebensgroßen Kruzifixus, das "unglücklicherweise noch 1870 nach Neuhausen auf den Fildern verschenkt" wurde."

Dies ist nicht richtig. Quellen der Gemeinde Neuhausen belegen eindeutig, dass das Kreuz zusammen mit dem Altar und dessen 12 Steinreliefs 1820 von König Wilhelm der Gemeinde Neuhausen geschenkt wurden.

Diese Fehlinformation ist auch im Schloßführer von Annegret Kotzurek zu finden.

Details und Quellen hierzu (Faksimile aus den Kirchenbüchern 1820 und 1865) siehe: Neuhausen a.d.F. · Friedhof · Alte Aussegnungshalle

Beschreibung (Memmert)

Dieses Kreuz trägt die Jahreszahl 1563 und kündet damit, daß die Ein- richtung der Schloßkirche bei der Einweihung noch nicht fertiggestellt war. "

Dem steinernen Kreuz wurden vom Steinmetzmeister Maserung, Risse und Fugen des Werkstoffes Holz gegeben. Der Körper des Gekreuzig- ten ist mit waagrecht ausgebreiteten Armen angeheftet. Der bärtige Kopf mit Dornenkrone ist leicht auf seine rechte Seite geneigt. Das lange Haar hängt in zwei Lockensträhnen zu beiden Seiten am Kopf herab. Die Augen sind geöffnet und zeigen den starren Blick eines Sterbenden. Die Beine hängen parallel, die Füße liegen leicht einwärts gedreht und von einem Nagel gehalten übereinander. Ein schweres Lendentuch ist über dem Leib verknotet, seine beiden Enden wehen seitwärts auseinander und bilden zwei henkelartige Bögen.

Die Gestaltung und Ausführung werden Sem Schlör zugeschrieben. Die Gestaltung ist aber nicht seine Erfindung. In Stuttgart befand sich schon lange vor Sem Schlör ein Kruzifixus mit den geschilderten Kennzeichen. "Im Jahr 1499 ließen der Stuttgarter Ratsherr Jakob Walther, genannt Kühhorn, und seine Frau Clara, geborene Mager, von dem damals schon berühmten Meister (des Heilbrunner Kilians-Altars und des Speyerer Ölbergs) den 'Kalvarienberg' in Stein hauen und 1501 im Friedhof vor dem Chor der St. Leonhardskirche (in Stuttgart) aufstellen". (2) Im Jahr 1895 kam die Kreuzigungsgruppe in die Stuttgarter Hospital-kirche und steht seit 1951 in deren Chorraum hinter dem Altar.

Es ist erstaunlich, wie sehr sich Sem Schlör an sein Vorbild gehalten hat, doch sind seine Körperformen gröber, seine Falten eckiger. Während man bei Hans Seyfer, dem Meister des Vorbildes, den Bildschnitzer gleichsam durch den Stein hindurch spürt, arbeitet Sem Schlör als Bildhauer.

Nur bei der Gestaltung des Gesichtes löst sich Sem Schlör von seinem Vorbild. Er gibt nicht den seligen Blick des Entschlafenen, sondern läßt seinem Christus den Mund zum letzten Todesschrei öffnen, läßt den qualvoll gemarterten elendiglich sterben, sein Leben aushauchen. Hier zeigen sich die rund 60 Jahre, die zwischen beiden Werken liegen.

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Wenn auch das Kreuz einst so weit hinter dem Altar stand, daß der Geistliche auch hinter dem Altar (adversus populum) stehen konnte, wie schon in der Gemein Kirchenordnung Herzog Ulrichs von 1536 gefordert, so bildeten Kreuz und Altar doch sowohl eine zusammen-gehörende räumliche Gruppe als auch eine inhaltliche Einheit von Credo und Kreuzigung: "… gekreuzigt, gestorben …"(4. Artikel). Freilich bestimmte die Höhe der Orgelempore die Höhe des Kreuzes und verengte das Kreuz den Zugang zu der Sakristei, wenn deren Eingang so angeordnet war, wie auf dem Erdgeschoß-Grundriß von R.F.H.Fischer, in dem das Altarkreuz nicht eingezeichnet ist, dargestellt. Auch im Erdgeschoßplan von Joseph von Egle ist das Kreuz nicht eingetragen.

Quelle: Memmert 1999

Innen (8) · Taufstein

Beharrlich zum Ziel

STUTTGART – Vor 15 Jahren begann Heide Quandt, den Taufstein der Schlosskirche zu suchen und fand ihn vor zwölf Jahren. Vor wenigen Monaten wurde er wieder aufgestellt. Zuvor aber folgte Quandt dem Stein im Lauf der Zeit von der Innenstadt nach Vaihingen und zurück.

Manchmal zahlt es sich aus, an einem Thema dran zu bleiben. Heide Quandt ist dankbar, dass ihr Engagement Früchte trägt. Die Wahl- Stuttgarterin führt Besuchergruppen durch die Schloss- und auch durch die Stiftskirche. Und sie interessiert sich schon viele Jahre für Geschichte, insbesondere die der beiden Kirchen. Die Schlosskirche, die sie sehr liebt, und durch die sie auch Besuchergruppen führt, hatte es ihr besonders angetan. Weil sie wusste, dass die Kirche im Krieg nicht zerstört worden war, wunderte sie sich darüber, dass der Taufstein fehlte und begann zu forschen.

2002, bei Ausgrabungen an der Schlosskirche, besuchte sie den Keller der Schlosskirche. Dort lagen einige Gegenstände. Eines Tages entdeckte sie eine Art Tisch, der ihre besondere Aufmerksamkeit erregte. Denn ihre Vermutung war, dass es sich dabei um den Taufstein aus der Schlosskirche handeln könnte. Da sie Kontakt zu dem Historiker Günter Memmert hatte, fragte sie ihn, ob es sich hierbei um den gesuchten Taufstein handeln könnte. Der bejahte.

Quandt und Memmert vermaßen den Taufstein, machten Fotos. Sie fanden heraus, dass der Stein in den 1970er-Jahren, bei der Renovierung der Schlosskirche, ins Depot des Landesmuseums gewandert war. Doch der Vorschlag Heide Quandts, den Stein dort wieder aufzustellen, fand zunächst wenig Resonanz beim Dekanat. Der Taufstein wanderte in ein Depot in Stuttgart-Vaihingen, später in ein Lager am Löwentor. Heide Quandt folgte dem Taufstein überall hin. Jedes Mal dokumentierte sie das gute Stück mit Fotos, in ihrer Sammlung sind unzählige. „Ich habe viel Geduld“, sagt die Hobby-Historikerin und Fotografin von sich selbst.

Einige Jahre kam sie mit dieser Geduld und ihrer Beharrlichkeit dennoch nicht weiter. Dann wurde im vergangenen Jahr der Taufstein der Hospitalkirche aus einem Waldstück bei Böblingen geholt und im Innenhof des Hospitalhofs, an seinem ursprünglichen Platz in der früheren Dominikanerkirche, aufgestellt. Das gab den Ausschlag für einen neuen Anlauf. Heide Quandt erzählte Søren Schwesig von ihrer Idee. Schwesig, der seit 2013 Stadtdekan in Stuttgart ist, unterstützte das Vorhaben vom ersten Moment an.

Denn er erinnert sich an seinen ersten Aufenthalt in der Schlosskirche noch sehr gut: „Sie hat mir von Anfang an gefallen – aber etwas fehlte. Der Taufstein.“ Nicht, weil man ohne Taufstein nicht taufen könne – dazu gebe es ja ein Taufgeschirr, das man auch gut auf den Altar stellen kann. Aber weil die Taufe neben dem Abendmahl eines der beiden evangelischen Sakramente ist, hält Schwesig es für wichtig, dass sie auch einen Niederschlag in der Architektur einer Kirche findet. Auch deshalb trat der Stadtdekan den Weg durch die Instanzen an.

Dieser Weg war lang. Zwar wird die Schlosskirche von der Gesamt-kirchengemeinde Stuttgart genutzt, von der Stiftskirchengemeinde betreut, Entscheidungen über Gottesdienste trifft der Stadtdekan. Für bauliche Dinge ist allerdings das Land, also der Schlosseigentümer, zuständig. Deshalb war nicht nur die Kirchenpflege der Gesamtkirchen-gemeinde gefragt, sondern auch die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten. Außerdem das Denkschutzbehörde und natürlich die Landesmuseum, in dessen Depot der Taufstein gelagert wurde.

Ende 2014, als die Zustimmung der einzelnen Stellen vorlag, ging eine Gruppe mit Vertretern dieser Einrichtungen mit einem Pappmodell des Taufsteins durch die Schlosskirche, um einen passenden Standort zu suchen. Der ursprüngliche Ort, vor dem Altar, war nicht mehr wirklich geeignet, denn „inzwischen haben sich die liturgischen Gewohnheiten geändert“, sagt Søren Schwesig. Die Gruppe mit dem Pappmodell einigte sich auf den Platz vor der Königsloge. „Ich finde, das ist ein guter Platz, weil der Taufstein so gut sichtbar ist, aber bei Konzerten keinen Sichtverlust bedeutet“, sagt der Stadtdekan.

Im Mai diesen Jahres erlebte Heide Quandt dann eine kleine Über-raschung: Um die Nacht der Offenen Kirchen an Pfingsten zu bewerben, wollte sie in der Schlosskirche Plakate aufhängen und Handzettel auslegen. Just als sie dort ankam, stand vor dem Eingang zur Schloss-kirche der Taufstein auf einer Palette, mit Gurten verspannt. Auf den ersten Blick sah Quandt, dass manche Ecke des Taufsteins abgeplatzt war. Diese Beschädigungen hatte es seinerzeit in den verschiedenen Lagern nicht gegeben.Vermutlich sei der Schaden entstanden, als man den Tisch, der zumeist auf dem Kopf gestanden hatte, umdrehte, sagt Quandt. Zu ihrer großen Freude war der Taufstein aber schon zu Pfingsten repariert. Nun freut sie sich darüber, dass sie ein weiteres „Kleinod im Kleinod Schlosskirche“ präsentieren kann, wenn sie Besuchergruppen führt.

Quelle: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 35/2015 | Region Stuttgart | Nicole Marten

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Bilder 1 - 6 + 13 - 15: Heide Quandt

Innen (9) · Westliche Stirnempore · Zwölf Steintafeln des ehemaligen Altars

Die westliche Stirnempore war nur vom Herzog und seiner Familie durch eine Tür in der Mitte unmittelbar von den Wohngemächern im Eingangsflügel aus zu betreten.

Der Württemberger Abendmahlstisch war ein Blockaltar, gebildet aus zwölf Sandsteintafeln, die so zusammengesetzt waren, dass jeweils vier Tafeln die beiden Langseiten des Stipes (Altarsockel) bildeten und je zwei Tafeln die Schmalseiten. Dadurch ergab sich ein Blockaltar von etwa 2,28 m Länge, 1,14 m Breite und 1,14 cm Höhe, was etwa dem Maß von 8x4x4 württembergischen Schuh entspricht.

Beim Umbau der Schlosskirche zur Hofapotheke im Jahr 1820 war der Altar an die katholische Kirchengemeinde Neuhausen auf den Fildern verschenkt worden. Bei ihrer Wiederherstellung im Jahr 1865, kaufte man die 12 Stipestafeln des Altars, der inzwischen auf den Friedhof „weggestellt" worden war, wieder zurück.

Details und Quellen hierzu (Faksimile aus den Kirchenbüchern 1820 und 1865) siehe: Neuhausen a.d.F. · Friedhof · Alte Aussegnungshalle

Da sie durch die Witterung sehr gelitten hatten und man den ursprüng-lichen Altar für den erneuerten Raum für „zu plump" hielt, entschied man sich für eine kleinere Altargestaltung und baute die Tafeln in die Außen-wand der Schlosskirche im Erdgeschoss unter der Galerie ein. Doch auch hier litten sie unter der Witterung und schließlich wurden sie durch Luftangriffe im Jahr 1944 zum Teil beschädigt.

Um die zunächst eingelagerten Tafeln wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können, entschloss man sich, die Relieftafeln zu restaurieren und an der westlichen Stirnwand der Empore anzubringen, wo sie seit 1982 wieder zu besichtigen sind.

Als zentrales Thema des protestantischen Glaubens und seines Katechismus nach Luther und Brenz war Sem Schlör das apostolische Glaubensbekenntnis gegeben worden, von der Tradition den zwölf Aposteln in den Mund gelegt. Die zugehörenden Inschriften sind, entsprechend dem Anliegen der Reformation, vom Volk verstanden werden zu können, in deutscher Sprache abgefasst.

Westempore · Übersicht

Im Zug der Neugestaltung durch Alexander Tritschler 1865, bei der die Königsloge unter der östlichen Stirnempore angeordnet wurde, mußte die dort befindliche Orgel (siehe Erdgeschoß-Grundriß von R.F.H. Fischer von 1775) verlegt werden. So bekam die neogotische Orgel im Jahr 1865 ihren Platz auf der westlichen Stirnempore. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Schloßkirche wegen der Zerstörung der Stiftskirche allein als Gemeindekirche dienen mußte, erhielt sie 1946 rasch eine neue Orgel mit einem einfachen Prospekt. „Der originale Prospekt (von 1865) ist vermutlich durch Kriegseinwirkung verloren gegangen."

Als die Orgel von 1946 im Jahr 1977 abgebaut wurde, entdeckte man in der westlichen Stirnwand den ehemaligen Durchgang zu den herzoglichen Wohngemächern und darüber eine farbig gefaßte Stuckbekrönung. Da man sich entschloß, die neue Orgel auf der östlichen Stirnempore aufzustellen - die dabei drohende Gefahr, das dortige kleine Spitzbogenfenster zuzumauern oder zuzustellen, konnte abgewehrt werden -, ist der restaurierte Portalschmuck heute frei sichtbar. Über einer mit einem gefasten Rahmen umgebenen rechteckigen Doppeltür befindet sich in einer „von Spätrenaissance-Stuck gerahmten Kartusche … eine Darstellung der Tabor-Szene". Gemeint ist damit die Verklärung Jesu auf einem Berg, der im Neuen Testament nicht benannt wird, nach der Überlieferung aber der Berg Tabor gewesen sein soll. Das Geschehen berichten die Synoptiker mit unterschiedlichen Worten (Matthäus 17, 1-13, Markus 9, 2-13, Lukas 9, 28-36). Die Erzählung von der Verklärung Jesu, seiner Teilhabe an Gottes ewiger Herrlichkeit, die Bestätigung seiner Gottessohnschaft, war offenbar den württembergischen Herzögen sehr wichtig, denn sie fand zuvor schon auf der Mitteltafel der Kanzelbrüstung eine Darstellung, über die noch berichtet werden soll.

Das kreisrunde Medaillon wird durch ein waagrechtes Wolkenband in eine obere, himmlische Sphäre mit Jesus, Mose und Elia geteilt und in eine untere, irdische Zone mit den drei Jüngern, Petrus, Johannes und Jakobus. Die Jünger werden in dem Augenblick geschildert, in dem sie geblendet von dem himmlischen Licht und erschrocken über die Stimme aus den Wolken auf ihr Angesicht fallen (Matthäus 17, 6). Jesus zwischen Mose und Elia stehend breitet segnend die Arme über sie aus. Gleichsam als "Schildhalter" agieren zwei geflügelte Putten, die auf Wolken stehen, gestützt von Konsolen aus Blattvoluten.

In Form und Gestaltung bezieht sich diese Verklärung eindeutig auf das ältere Kanzelrelief, wirkt aber lebendiger und vermittelt den Eindruck, daß der ausführende Künstler verstand, seine Vorlage weiterzuführen. Da die Flügel der Putten und die Rahmung des Medaillons von der 1566 eingezogenen Stuckdecke oder von den vielleicht später (1573) angebrachten Gewölberippen überschnitten werden, ergibt sich der Schluß, daß die Wandgestaltung älter als die Gewölbegestaltung sein muß.

Quelle: Memmert 1999

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    • Westempore mit Türe zu den ehemaligen Wohngemächern

    • Die Verklärung Jesu

    • Tafeln 1 - 6 · links der Türe

    • Tafeln 7 - 12 · rechts der Türe

Diese zwölf Steinreliefs stellen das wichtigste Vermächtnis der Reformationszeit in der Schloßkirche Stuttgart dar. Um ihrer Bedeutung gerecht zu werden, sind auf einer ==> Sonderseite viele zusätzliche Informationen und alle Bilder zu finden.

Innen (10) · Emporenbrüstung · Köpfe

Die ursprünglichen Emporenbrüstungen waren mit farbig gefassten Reliefszenen aus der Passionsgeschichte geschmückt, sind aber nicht erhalten. Die jetzigen Emporenbrüstungen sind nach Tritschlers Entwurf mit anglisierenden Maßwerkverblendungen ornamental gestaltet. Die von Bildhauer Karl Kopp 1865 geschaffenen Köpfe stellen von Südwesten (links) nach Südosten (rechts) 18 Persönlichkeiten dar.
Die Auswahl wird erst verständlich, wenn man berücksichtigt, dass weitere bedeutende Personen in den Glasfenstern dargestellt werden sollten, darunter Dr. Martin Luther und Philipp Melanchthon. Nur die 3 Fenster im Chörlein wurden 1868 ausgeführt. Sie zeigten den württembergischen Graf Georg von Mömpelgard und seinen Patron, den Heiligen Georg, die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland und Herzog Christoph von Württemberg und seinen Patron, den Heiligen Christopherus. Diese Fenster wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. In der Leibung des Chorbogens zum Chörlein sind die Köpfe der Apostel Petrus und Paulus und im Scheitel die Taube - Zeichen des Heiligen Geistes - dargestellt.

Schema Emporenbrüstung · 18 Köpfe

Westliche Stirnempore

(zeitweilige Orgelempore)
Gestalten der sakralen Musik:

1 Caecilia (gest. um 230), Heilige, Schutzpatronin der Kirchenmusik.

2 Ambrosius (340-397), Kirchenlehrer, Vater des liturgischen Kirchengesanges.

3 Mirjam (zw. 1300 und 1200 v.Chr.), Schwester von Mose, Sängerin des Siegesliedes nach 2. Mose 15,20-21.

4 Asaph (um 1000 v. Chr.), Vorsteher der Sänger des Heiligtums unter König David (1. Chron. 6,24 und 15,16-19)

Längsempore

Theologen:

5 Paul Gerhardt (1607-1676), Pfarrer und Liederdichter.
6 Augustinus (354-430), Bischof von Hippo Regius, Kirchenlehrer.
7 Joh. Reinhard Hedinger (1664-1704), Württ. Hofprediger.
8 Phil. Friedrich Hiller (1699-1769), Württ. Pfarrer und Liederdichter.
9 Joh. Albrecht Bengel (1687-1752), Württ. Prälat und Konsistorialrat, Neutestamentler.
10 Johann Arndt (1555-1621), Pfarrer und Verfasser von Erbauungsbüchern.
11 Philipp Jakob Spener (1635-1705), Pfarrer, Verfasser der „Pia Desideria".
12 Johannes Reuchlin (1455-1522), Jurist, Humanist, Begründer der althebräischen Sprachwissenschaft. Er schuf damit die Vor-aussetzung für Luthers Übersetzung des A. T.
13 August Hermann Francke (1663-1721), Theologe und Pädagoge, Gründer des Halleschen Waisenhauses.
14 Johann Christian Storr (1712-1773), Stiftsprediger und Prälat.

Östliche Stirnempore

(über der ehemaligen Königsloge) Christliche Fürsten:

15 König Gustav II. Adolf von Schweden (1594-1632), im 30-jährigen Krieg auf der Seite der Protestanten.

16 Landgraf Philipp I. der Großmütige von Hessen (1504-1567), führte in seinem Land die Reformation ein und verhalf Herzog Ulrich von Württemberg wieder zu seinem Land.

17 Kurfürst Friedrich II. der Weise von Sachsen (1463-1525), führte in seinem Land die Reformation ein.

18 Kaiser Karl der Große (742-814), verehrt als Idealbild eines christlichen Herrschers.

Basierend auf Arbeiten von Ilse Ott hat Heide Quandt Kurzbiographien der 18 Persönlichkeiten erstellt. PDF hier zum Download

Nachfolgend zunächst die Emporenbrüstung in der Übersicht, danach die "Paare", schließlich als Diashow die 18 Einzelköpfe.

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Übersicht

"Doppelköpfe"

    • 2 Ambrosius + 3 Mirjam

    • 4 Asaph + 5 Paul Gerhardt

    • 6 Augustinus + 7 Joh. Reinhard Hedinger

    • 8 Phil. Friedrich Hiller + 9 Joh. Albrecht Bengel

    • 10 Johann Arndt + 11 Philipp Jakob Spener

    • 12 Johannes Reuchlin + 13 August Hermann Francke

    • 14 Johann Christian Storr + 15 König Gustav II. Adolf von Schweden

    • 16 Landgraf Philipp I. der Großmütige von Hessen + 17 Kurfürst Friedrich II. der Weise von Sachsen

    • 1 Caecilia

    • 18 Kaiser Karl der Große

18 Einzelköpfe

 

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Innen (11) · Decke

Eine Erinnerung an die ursprüngliche Raumwirkung bietet das stuckierte Muldengewölbe, das 1566 an Stelle einer flachen Holzdecke eingezogen wurde. Im Jahr 1573 ließ es Herzog Ludwig, der Sohn Herzog Christophs, durch den Stukkator Conrad Wagner d. Ä. mit stuckierten Netzrippen, in der Mitte durch ein gerahmtes Medaillon mit dem gevierten Herzog-wappen von Württemberg mit doppelter Helmzier und umgeben von 16 stuckierten Schlusssteinen mit den Wappen seiner Vorfahren schmücken. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Ahnenprobe, mit der eine Person aus adligem Geschlecht seine Abstammung belegte.
Wie Kirchenarchivdirektor i.R. Dr. Ehmer nachwies, handelt es sich aber um eine Ahnenprobe für Herzog Christoph, nicht, wie zu erwarten wäre, für seinen auftraggebenden Sohn. Die zu beiden Seiten im Gewölbe-scheitel anschließenden stuckierten Schlusssteine zeigen Vierpass-Schilde im Wechsel mit Rosetten. In den Vierpass-Schilden folgen von Westen nach Osten: Simson besiegt den Löwen (Richter 14,5), Simson zerbricht die Säulen (Richter 16,29), es folgen die 4 Evangelisten, Johannes mit dem Adler, Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und nochmals Simson mit dem Löwen und den Säulen.

In der "Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte (70. Jahrgang · 2011) findet man auf S. 253 - 263 einen umfangreichen Aufsatz von Hermann Ehmer über "Die Ahnenprobe Herzog Christophs von Württem-berg in der Schloßkirche in Stuttgart". Gesamter Text hier zum Download. Von diesem ist die Übersicht und Reihenfolge der 16 Wappen übernommen. Wobei Ehmer schreibt:

"Aus der Zusammenstellung wird zum einen ersichtlich, dass die Fehlstellen und Abweichungen gering sind. Zum anderen lässt sich jedoch keine Regel für die Anordnung der einzelnen Wappen in der Ahnenprobe an der Decke der Stuttgarter Schlosskirche finden. Immerhin ist die Anordnung so gewählt, dass oberhalb der einzelnen Ahnenwappen sich stets das zentrale württembergische Herzogs-wappen befindet. Die Zusammenstellung zeigt auch, dass Bayern und Österreich korrekt zweimal unter den Wappen erscheinen, aber Braun-schweig nur einmal statt zweimal vorkommt und das Wappen der Raugrafen gar nicht. Damit ergeben sich zwei Leerstellen, die mit den Wappen von Brandenburg und Baden gefüllt sind, die überhaupt nicht in die hier dargestellte Vorfahrenschaft von Herzog Christoph gehören.

Nachfolgend die Decke in der Übersicht (von West nach Ost), danach Simson & Evangelisten, schließlich das Zentrum mit den 1 + 16 Wappen

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Übersicht

Simson · Die vier Evangelisten

 

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Decke · Wappen

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1 WIRTENBERG
Eberhard IV. d. J. Graf von Württemberg *1388 (1417-1419)

2 [Mömpelgard]
Henriette Gräfin von Mömpelgard (1387-1444)

3 BAIERN
Heinrich IV. Herzog zu Bayern-Landshut *1386 (1393-1450)

4 ÖSTERREICH
Margarete Herzogin von Österreich *1395, +1447

5 BITSCH
Friedrich II. Graf von Zweibrücken-Bitsch +1474

6 [Baden]
Anna Raugräfin 1457

7 LIECHTENBERG
Ludwig V. von Lichtenberg *1417, +1471

8 HOHENLOE
Elisabeth von Hohenlohe +1488

9 BAIERNN
Ernst Herzog von Bayern *1373 (1397-1438)

10 MAILANDT
Elisabeth Visconti +1432

11 BRAUNSCHWEIG
Erich I. Herzog von Braunschweig-Grubenhagen *1380 (1383-1427)

12 [Brandenburg]
Elisabeth Herzogin von Braunschweig-Lüneburg +1444

13 ÖSTERREICH
Ernst Herzog von Österreich *1377, +1424

14 MASSAW
Zimburg Herzogin von Masowien +1429

15 PORTUGALL
Eduard (Duarte) König von Portugal *1391 (1433-1438)

16 ARAGONIEN
Leonora Infantin von Aragon *1400, +1445

Wappen

 

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Engelsköpfe und Schmuck

 

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Innen (13) · Die Orgel

Erbaut 1980 von Diethelm Berner nach einer Disposition von Prof. Herbert Liedecke; die Register der Vorgängerorgel wurden teilweise wieder verwendet. 24 Register (darunter vier Transmissionen) auf 2 Manualen und Pedal.

Die Schlosskirche, 1562 als eine der ältesten evangelischen Predigtstätten in Württemberg in der charakteristischen Form des quergestellten Rechtecks erbaut, erhielt sogleich »ein treffliches kleines Werklein einer Orgel«. 1594 baute der blinde Orgelmacher Conrad Schott eine reich mit Gold und Farben verzierte Orgel mit 16 Registern. Der nächste Orgelbau in der Schlosskirche erfolgte 1740 durch Georg Friedrich Schmahl; 14 Register waren auf zwei klanglich deutlich differenzierten Manualen und Pedal verteilt (I: kräftig und frisch, II: zart, echoartig, Pedal: nur Grundstimmen). Während der Herrschaft der katholischen Herzöge Württembergs diente die Schlosskirche u. a. als Hofbibliothek und Hofapotheke. 1865 im Stil der englischen Spätgotik erneuert, erhielt sie nicht nur die dreiseitige Empore (wie heute), sondern auch eine neue Orgel aus der Werkstatt Eberhard Friedrich Walckers (Ludwigsburg).

Zu den ursprünglich 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal kamen 1872 vier, 1906 zwei weitere hinzu. Die mechanische Traktur wurde nun pneumatisiert. 1946 erfuhr die Orgel der Schlosskirche (letztere hatte den Krieg weitgehend unversehrt überstanden) eine Aufhellung des Klangs. Beim Neubau nach der Renovierung der Schlosskirche wurde die Orgel von der Nord- auf die Südempore versetzt (weshalb sie heute nicht mehr bei den »Musiker/innen«-Köpfen in der Emporenbrüstung anzutreffen ist).

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    • Foto: Heide Quandt

    • Foto: Heide Quandt

Disposition

I Hauptwerk C-g"'

II Schwellwerk C-g"'

Pedal C-f'

Pommer (alt) 16'

Prinzipal (teilw. alt) 8'

Rohrflöte (alt) 8'

Oktave (teilw. alt) 4'

Gedecktflöte (alt) 4'

Oktave (alt) 2'

Mixtur 4-5fach 1 1/3'

Trompete 8'

Tremulant

Holzflöte 8'

Prinzipal 4'

Waldflöte 4'

Nasat 2 2/3'

Gemshörnlein 2'

Terz 1 3/5'

Sifflöte 1 1/3'

Scharf 1'

Oboe, 1946 8'

Tremulant

Subbaß (alt) 16'

Oktavbaß (alt) 8'

Hintersatz 3f. (alt) 4'

Transmissionen aus I:

Gedecktbaß 16'

Flötenbaß 8'

Gedecktflöte 4'

Trompete 8'

Koppeln: II/I, I/II, I/ P, II/P; Schleifladen, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur; 2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Tutti und Einzelabsteller

Quelle: Website der Stiftsmusik Stuttgart

Innen (14) · Sakristei-Fenster

Bei der Neugestaltung des Jahres 1865 wurde die Sakristei im Eckraum zum Flügel am Schillerplatz eingerichtet. Dieser Raum wird durch eine Mittelsäule beherrscht, die ein Gratgewölbe trägt und vermutlich von einem älteren Bau stammt.

In die Sakristeifenster zur Dorotheenstraße wurden 1865 Kopien der Bildnisse Herzog Eberhards im Bart und seiner Gemahlin Barbara Gonzaga von Mantua aus den Chorfenstern der Tübinger Stiftskirche eingesetzt.

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Herzog Christoph · Standbild auf der Schloßplatz Stuttgart

Herzog Christoph (geb. 1515, gest. 1568) übernahm 1550 die Regierung von seinem Vater Herzog Ulrich, der 1534 die Reformation in seinem zurück-eroberten Herzogtum eingeführt hatte. Wohl kein anderer war für die Einführung und Festigung der Reformation in Württemberg so wichtig, wie er. Da er der Erbauer der Schloßkirche war, seien hier auch Bilder dieses Standbilds auf dem Stuttgarter Schloßplatz gezeigt.

Herzog Christoph

 

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Impressum

Schloßkirche Stuttgart fotografiert am 23.03. - 18.04.2016
27 Fotos übernommen von (c) Heide Quandt
Auf www.kirchen-online.com veröffentlicht am 31.10.2016 SDG
(c) 2016 Foto-Kunst Andreas Keller.

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